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UpstreamKardiologie

Stoffwechsel und Blutfette

Der Zucker ist normal. Das Insulin ist es oft nicht.

Einer der stillsten Vorläufer von Herzkrankheiten heißt Insulinresistenz und beginnt lange vor jedem erhöhten Blutzucker. Sie wird in der üblichen Vorsorge übersehen, weil dort der Zucker gemessen wird und nicht das Insulin. Dazu kommt ein Blutfettwert, der erblich festliegt und im normalen Lipidprofil unsichtbar bleibt.

Die Insulinresistenz

Warum ein normaler Blutzucker nicht beruhigt

Insulinresistenz bedeutet, dass die Zellen schlechter auf Insulin ansprechen. Der Körper gleicht das aus, indem er mehr davon herstellt. Das gelingt jahrelang gut, und deshalb bleibt der Blutzucker in dieser Zeit normal. Was steigt, ist der Insulinspiegel, und gerade dieser dauerhaft erhöhte Spiegel setzt dem Herz-Kreislauf-System zu.

Insulin ist nämlich weit mehr als ein Schlüssel für den Zucker. Es wirkt auf die Gefäße, auf den Blutdruck, auf den Fettstoffwechsel und auf den Herzmuskel selbst. An den Gefäßen leidet zuerst das Endothel, die innere Auskleidung: Es gibt weniger Stickstoffmonoxid ab, die Gefäße werden steifer, der Druck steigt, und die Verkalkung schreitet schneller voran. Das geschieht auch ohne Diabetes. Die Insulinresistenz gilt als eigenständiger Faktor, der Gefäßablagerungen vorantreibt, unabhängig vom Blutzucker.

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Di Pino A, DeFronzo RA. Endocr Rev. 2019;40(6):1447–1467 · Hill MA et al. Metabolism. 2021;119:154766

Auch das Herz selbst spürt es. Ein chronisch erhöhter Insulinspiegel begünstigt den Umbau des Herzmuskels und steht in enger Verbindung mit jener Form der Herzschwäche, bei der das Herz steif wird und sich schlechter füllt. Dabei entsteht ein Kreis: Die Insulinresistenz belastet das Herz, und ein belastetes Herz verschärft die Insulinresistenz. Mehr zur Herzschwäche

So zieht sich ein einziges Geschehen durch fast alle großen Herzthemen, von der Verkalkung über den Blutdruck bis zum Vorhofflimmern und zur Herzschwäche. Das ist der Grund, warum sich der Blick lohnt: Er führt oft an eine gemeinsame Wurzel, statt an vier getrennte Diagnosen.

Kurz gesagt Gemessen wird deshalb nicht nur der Zucker, sondern das Insulin und das Verhältnis beider Werte. Das erkennt eine Entwicklung oft Jahre, bevor ein Diabetes daraus würde.

Und der Rhythmus

Was der Stoffwechsel im Vorhof anrichtet

Der Weg vom Stoffwechsel zum Vorhofflimmern läuft über ein Gewebe, das direkt auf dem Vorhof liegt. Das Fett am Herzen ist kein Polster, sondern ein aktives Gewebe ohne Trennschicht zum Herzmuskel.

Es gibt Signalstoffe ab, die im Vorhof eine Entzündungsreaktion und mit den Jahren Bindegewebe entstehen lassen. Wo das geschieht, leitet der Vorhof langsamer und ungleichmäßiger, und das ist der Boden, auf dem das Flimmern entsteht.

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Dieses Fettdepot wächst mit demselben Stoffwechsel, der die Insulinresistenz ausmacht. Damit ist der Zusammenhang kein vager, sondern ein anatomischer. Er erklärt auch, warum Gewichtsabnahme beim Vorhofflimmern so viel bewirkt, und warum der Körpermassenindex dabei täuschen kann: Ein Mensch mit unauffälligem Gewicht kann reichlich Fett am Herzen haben.

Ausführlich mit Belegen steht dieser Zusammenhang auf der Seite zu den Treibern, im Abschnitt über den Tellerrand. Dorthin

Lipoprotein(a)

Ein Wert, der einmal im Leben gemessen gehört

Manche Risiken sind angelegt und nicht angegessen. Lipoprotein(a) ist eine erbliche Variante des Cholesterins, die das Risiko für Gefäßverkalkung unabhängig vom gewöhnlichen LDL erhöht. Sie ist im normalen Lipidprofil unsichtbar, sie ändert sich im Laufe des Lebens kaum, und sie wird durch Ernährung praktisch nicht beeinflusst.

Gerade weil sie sich kaum ändert, genügt es, sie einmal zu bestimmen. Und gerade weil sie erblich ist, verändert ein hoher Wert nicht nur Ihre eigene Einschätzung, sondern ist ein Hinweis für Ihre Geschwister und Kinder.

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Das ist einer der Fälle, in denen ein einzelner Laborwert wirklich etwas entscheidet: Er erklärt manche früh auftretende Verkalkung, die sonst unerklärt bleibt, und er verschiebt die Schwelle, ab der konsequent behandelt wird.

Was ein erhöhter Wert praktisch bedeutet: Er lässt sich derzeit nicht gezielt senken, wohl aber alles andere um ihn herum umso konsequenter behandeln. Das ist keine schöne Antwort, aber eine ehrliche, und sie ist besser als den Wert nicht zu kennen.

Warum das hier steht

Es steht hier, weil erhöhtes Lipoprotein(a) auch die Verkalkung der Aortenklappe mit antreibt und damit eine Brücke zu einem Thema schlägt, das viele erst spät betrifft. Zu den Herzklappen →

Was sich tun lässt

Die ermutigende Seite dieses Themas

Anders als bei manchem Herzleiden steht hier nicht das Medikament an erster Stelle. Gesichert ist, dass Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und Schlaf die Insulinempfindlichkeit deutlich verbessern können, und zwar in einem Ausmaß, das sich in den Werten zeigt.

In bestimmten Fällen kommen Medikamente hinzu, die den Stoffwechsel günstig beeinflussen. Ob und wann, ergibt sich aus dem Befund und nicht aus einem Schema.

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Was hier nicht passiert: Es wird kein weiteres Etikett verteilt. Ein erhöhtes Insulin ist keine Diagnose, mit der man nach Hause geht, sondern eine Stellschraube, die früh wirkt und auf das ganze System ausstrahlt. Wer an ihr dreht, behandelt selten nur eine Zahl.

Kosmas CE et al. J Int Med Res. 2023;51(3):3000605231164548 · Ormazabal V et al. Cardiovasc Diabetol. 2018;17:122

Was gemessen wird

Welche Werte dazugehören und nach welchem Grundsatz sie ausgewählt werden, nämlich nur das, was eine Entscheidung ändern kann, steht auf der Seite zur Diagnostik. Was untersucht wird →

Fragen

Fragen zu Stoffwechsel und Blutfetten

Was ist Insulinresistenz?

Die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, und der Körper gleicht das mit mehr Insulin aus. Der Blutzucker bleibt dabei zunächst normal, während der Insulinspiegel im Hintergrund steigt. Gerade dieser erhöhte Spiegel wirkt auf Gefäße, Blutdruck und Herzmuskel.

Warum erkennt der normale Blutzuckertest das nicht?

Weil der Zucker lange im Normbereich bleibt, während das Insulin bereits erhöht ist. Ein normaler Nüchternblutzucker schließt eine Insulinresistenz nicht aus. Aufschlussreicher ist der Blick auf das Insulin selbst und auf das Zusammenspiel beider Werte.

Was hat der Stoffwechsel mit Vorhofflimmern zu tun?

Der Weg läuft über das Fettgewebe, das direkt auf dem Vorhof liegt und ohne Trennschicht mit dem Muskel in Kontakt steht. Es gibt Signalstoffe ab, die im Vorhof Entzündung und Bindegewebe entstehen lassen, und genau dort entsteht das Flimmern. Ausführlich mit Belegen

Sollte ich Lipoprotein(a) messen lassen?

Einmal im Leben ist es sinnvoll, weil der Wert erblich festliegt, sich kaum ändert und das Risiko unabhängig vom übrigen Cholesterin erhöht. Ein erhöhter Wert lässt sich nicht gezielt senken, verändert aber, wie konsequent alles andere behandelt wird, und ist ein Hinweis für nahe Verwandte.

Lässt sich eine Insulinresistenz rückgängig machen?

Sie ist in hohem Maße beeinflussbar. Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und Schlaf können die Insulinempfindlichkeit deutlich verbessern, und das zeigt sich in den Werten. In bestimmten Fällen kommen unterstützend Medikamente in Betracht.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

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