Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Herzklappen und Herzgeräusch

Das Herz gleicht einen Klappenfehler jahrelang aus. Deshalb entscheidet der Zeitpunkt.

Vier Klappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt, viele Milliarden Mal in einem Leben. Verändern sie sich, zwingt das das Herz zu Mehrarbeit, und es leistet diese Mehrarbeit so gut, dass lange nichts zu spüren ist. Die eigentliche Aufgabe ist deshalb nicht die Diagnose, sondern das Timing: erkennen, wann Eingreifen mehr nützt als Zuwarten.

Was passiert

Zwei Grundprobleme, und eine wichtige Unterscheidung

Verengung

Die Klappe öffnet nicht mehr ganz

Das Herz muss gegen einen Widerstand anpumpen. Am häufigsten betrifft das die Aortenklappe, meist durch Verkalkung im höheren Lebensalter.

Undichtigkeit

Die Klappe schließt nicht mehr dicht

Ein Teil des Blutes fließt zurück, und das Herz muss dieselbe Menge mehrfach bewegen. An der Mitralklappe steht das im Vordergrund.

Bei einer undichten Klappe lohnt eine zweite Frage, die im Befund oft untergeht: Liegt das Problem in der Klappe selbst oder im Herzen um sie herum. Manchmal ist es die Klappe, etwa beim Mitralklappenprolaps, bei dem ein Segel bei jedem Schlag durchhängt. Das ist häufig, oft harmlos und kann mit der Zeit zunehmen.

In anderen Fällen ist die Klappe im Grunde intakt, doch die Herzkammer hat sich geweitet und zieht den Klappenring mit, sodass die Segel nicht mehr aneinanderreichen. Dann ist die undichte Klappe weniger eine eigene Krankheit als das Zeichen eines Herzens, das bereits unter Druck steht.

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Am deutlichsten wird das an der Trikuspidalklappe der rechten Herzhälfte, die lange unterschätzt wurde. Ihre Undichtigkeit entsteht häufig nicht in der Klappe, sondern weil die rechte Kammer oder der Klappenring sich geweitet haben.

Die Auslöser dafür sind ein erhöhter Druck aus der linken Herzhälfte, ein Lungenhochdruck, oder ein Vorhofflimmern, das den Vorhof und mit ihm den Klappenring dehnt. Sie zu finden wirft deshalb fast immer die Frage auf, was dahintersteht.

Kurz gesagt Lange spürt man nichts, weil das Herz ausgleicht. Erst wenn die Reserven erschöpft sind, kommen Luftnot bei Belastung, nachlassende Leistung, Schwindel oder Herzstolpern. Oft gibt ein beim Abhören entdecktes Geräusch den ersten Hinweis, lange davor.

Warum sie verkalkt

Kein Verschleiß, sondern ein angeschaltetes Programm

Die Verengung der Aortenklappe durch Verkalkung galt lange als Abnutzung, die das Alter mit sich bringt. Dieses Bild ist überholt.

Heute versteht man sie als aktiv gesteuerten biologischen Vorgang: In der Klappe läuft ein Programm ab, an dessen Ende sich Klappenzellen in knochenbildende Zellen verwandeln und Knochensubstanz einlagern. Die Klappe verkalkt nicht, weil sie sich abnutzt, sondern weil dieses Programm angeschaltet wird.

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Die Auslöser sind im Einzelfall verschieden: Alter, hoher Blutdruck, ein gestörter Stoffwechsel und Diabetes, eine eingeschränkte Nierenfunktion mit verändertem Kalzium-Phosphat-Haushalt, und eine angeborene Besonderheit der Klappe, bei der sie statt aus drei nur aus zwei Segeln besteht. Dazu kommen bestimmte Fettbestandteile, allen voran oxidierte Fette und das erbliche Lipoprotein(a), die Entzündung und Verkalkung im Klappengewebe anstoßen können.

Zheng KH et al. J Am Coll Cardiol. 2019;73(17):2150–2162

Dass dabei nicht das gewöhnliche LDL-Cholesterin der zentrale Treiber ist, erklärt eine Beobachtung, die viele überrascht: Statine, die genau dieses Cholesterin senken, konnten das Fortschreiten der Klappenverkalkung in Studien nicht aufhalten. Hier geben andere Mechanismen den Ausschlag als bei den Herzkranzgefäßen.

Nsaibia MJ et al. J Clin Med. 2022;11(12):3331

Das ist gleichzeitig ein Hinweis darauf, warum diese beiden Themen getrennt gehören: Was an den Gefäßen wirkt, wirkt an der Klappe nicht automatisch mit. Zu den Gefäßen

Vitamin K2

Dieselbe Tablette, zwei Gewebe, zwei Antworten

Dieser Abschnitt steht hier, weil er zeigt, wie die Leiter auf dieser Website gemeint ist, und weil er einen Punkt macht, der in der Beratung oft untergeht: Die Klappe ist kein Gefäß, und was am einen wirkt, wirkt am anderen nicht automatisch mit.

Der Gedanke war überzeugend. Dem Verkalkungsprogramm steht eine körpereigene Bremse gegenüber, das Matrix-Gla-Protein, das die Einlagerung von Kalk in Weichgewebe verhindert. Es wirkt nur in aktivierter Form, und diese Aktivierung hängt von Vitamin K ab.

In verkalkten Klappen findet sich vermehrt die inaktive Variante. Daraus folgte die naheliegende Idee, mit Vitamin K2 die Bremse zu verstärken. Diese Idee ist inzwischen an beiden Orten geprüft worden, und die Ergebnisse gehen auseinander.

Für die Klappe: geprüft, und ohne Wirkung

In einer randomisierten, doppelt verblindeten Studie erhielten 365 Männer mit bereits verkalkter Aortenklappe über zwei Jahre täglich Vitamin K2 zusammen mit Vitamin D oder ein Scheinpräparat.

Das Ergebnis ist in seiner Klarheit lehrreich: Der Biomarker bewegte sich deutlich, die Aktivierung des Matrix-Gla-Proteins verbesserte sich also messbar. Das Fortschreiten der Klappenverkalkung veränderte sich nicht, und auch die Klappenöffnungsfläche und die Flussgeschwindigkeit blieben gleich.

Ausführlich und Quellen

Diederichsen ACP et al. Circulation. 2022;145(18):1387–1397

Der Mechanismus sprang also an, und an der Klappe kam nichts dabei heraus. Deshalb wird ein Vitamin-K2-Präparat hier nicht empfohlen, um eine verengte Aortenklappe zu bremsen. Genau das unterscheidet auf dieser Website begründet von gesichert.

Für die Kranzgefäße: zwei neue Studien, beide mit Wirkung

2026 wurden zwei randomisierte Studien veröffentlicht, die dieselbe Frage an den Herzkranzgefäßen stellten, und dort fällt die Antwort anders aus. In der größeren erhielten 398 Menschen mit stark verkalkten Kranzgefäßen dieselben Dosen über zwei Jahre.

Die Verkalkung nahm in beiden Gruppen zu, in der behandelten aber langsamer, und der nicht verkalkte Plaqueanteil stieg dabei nicht an. Eine zweite Studie mit geringerer Dosis bei mäßiger Verkalkung fand einen gleichsinnigen Effekt.

Ausführlich und Quellen

Hasific S et al. Circulation. 2026 (DANCODE) · Vossen LM et al. JAMA Cardiol. 2026;11(8):719–726 (VitaK-CAC) · Gast GC et al. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2009;19(7):504–510

Bemerkenswert daran ist, dass die Klappenstudie und die größere Koronarstudie aus derselben Arbeitsgruppe stammen, mit derselben Dosis und derselben Laufzeit. Der Unterschied liegt nicht im Präparat, sondern im Gewebe. Was daraus für Sie folgt, steht auf der Seite zu den Gefäßen, samt dem Vorbehalt, der dazugehört. Dorthin

Was der Blick auf die Treiber hier trotzdem leistet

Es lohnt sich weiterhin, die Faktoren zu kennen, die das Verkalkungsprogramm befeuern: die Lipide und darunter besonders Lipoprotein(a), die Entzündungslast, den Blutdruck, den Stoffwechsel und die Nierenfunktion.

Nicht weil sich eine verengte Klappe damit zurückbilden ließe, sondern weil das Wissen bei einem Menschen mit früh oder rasch fortschreitender Verkalkung das Gesamtbild verändert und beim Rest des Gefäßsystems ohnehin zählt.

Ausführlich

Der ehrliche Rahmen: Eine einmal verengte Klappe lässt sich mit Medikamenten nicht reparieren. Was zählt, ist die Kontrolle im Verlauf und der richtige Zeitpunkt.

Kurz gesagt Zwei Mittel, die am Gefäß nachweislich etwas bewirken, tun an der Aortenklappe nichts: das Statin senkt Herzinfarkte, hält die Klappenverkalkung aber nicht auf, und Vitamin K2 bremst die Verkalkung der Kranzgefäße, die der Klappe nicht. Die Aortenklappe folgt eigenen Regeln. Deshalb bleibt sie ein Fall für die Kontrolle im Verlauf und für den richtigen Zeitpunkt, nicht für das Rezept.

Der Verlauf

Die Untersuchung, auf die es hier ankommt

Das wichtigste Werkzeug ist die Echokardiographie, die Ultraschalluntersuchung des Herzens, und sie wird hier in der Praxis durchgeführt. Sie zeigt unmittelbar, wie gut eine Klappe öffnet und schließt, wie schwer eine Verengung oder Undichtigkeit ist und wie das Herz darauf reagiert.

Der eigentliche Wert liegt aber in der Wiederholung. Erst zwei Untersuchungen im Abstand zeigen, wie schnell sich eine Klappenstörung entwickelt, und diese Geschwindigkeit ist für die Frage, wann gehandelt werden muss, oft die wichtigste Information überhaupt.

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Deshalb ist es sinnvoll, die Verlaufskontrollen möglichst in derselben Hand und mit demselben Gerät zu haben. Kleine Unterschiede in der Messung zwischen zwei Untersuchern können sonst eine Veränderung vortäuschen oder eine verdecken.

Vahanian A et al. Eur Heart J. 2022;43(7):561–632

Leicht bis mittelgradig

Beobachten und die Umstände behandeln

Blutdruck, Rhythmus, Risikofaktoren. Bei einer Undichtigkeit, die Folge eines anderen Problems ist, kann die Behandlung eben dieses Problems den Unterschied machen. Eine Reparatur der Klappe mit Medikamenten gibt es nicht.

Hochgradig

Ersatz oder Reparatur

Bei hochgradiger Verengung oder Undichtigkeit mit Beschwerden ist der Klappenersatz oder die Reparatur die etablierte Behandlung, heute oft über einen Katheter, in anderen Fällen chirurgisch. Auch ohne Beschwerden kann ein früherer Eingriff sinnvoll sein, etwa bei nachlassender Pumpfunktion.

Diese Eingriffe finden nicht in dieser Praxis statt. Was hierher gehört, ist das davor und das danach: die Klappe im Verlauf beurteilen, den Zeitpunkt bestimmen, die Begleiterkrankungen führen, damit das Herz in bestmöglicher Verfassung in einen Eingriff geht, und ihn mit der richtigen Klinik abstimmen.

Und der Rhythmus

Klappe und Rhythmus wirken in beide Richtungen

Vorhofflimmern ist eine häufige Begleiterscheinung einer Klappenerkrankung, und der Zusammenhang läuft in beide Richtungen. Eine undichte Mitralklappe erhöht den Druck im linken Vorhof, der Vorhof dehnt sich, und ein gedehnter Vorhof flimmert leichter. Umgekehrt dehnt anhaltendes Vorhofflimmern den Vorhof und mit ihm den Klappenring, sodass eine Klappe undicht werden kann, die vorher dicht war.

Praktisch heißt das: Wer mit Vorhofflimmern kommt, bekommt hier ohnehin eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, und dabei fallen Klappenbefunde auf, die sonst erst Jahre später auffielen. Und wer mit einem Klappenbefund kommt, wird auf den Rhythmus mituntersucht. Das ist keine zusätzliche Leistung, sondern die Folge davon, dass beide Fragen hier in einer Hand liegen.

Bei einem Vorhofflimmern, das nach einer Ablation wiederkehrt, gehört die Klappe zu den Befunden, die man erneut ansehen sollte. Zum Rezidiv

Fragen

Fragen zu Herzklappen

Woran erkennt man eine Herzklappenerkrankung?

Lange an nichts, weil das Herz eine beginnende Klappenstörung über Jahre ausgleicht. Erst später kommen Luftnot bei Belastung, nachlassende Leistungsfähigkeit, Schwindel oder Herzstolpern. Häufig gibt ein beim Abhören entdecktes Herzgeräusch den ersten Hinweis, lange vor den Beschwerden.

Muss eine erkrankte Klappe immer operiert werden?

Nein. Leichte und mittelgradige Störungen werden kontrolliert und ihre Begleitumstände mitbehandelt. Bei einer hochgradigen Störung mit Beschwerden ist Ersatz oder Reparatur angezeigt, heute oft über einen Katheter. In ausgewählten Fällen ist ein Eingriff auch ohne Beschwerden sinnvoll, etwa bei nachlassender Pumpfunktion.

Hilft Vitamin K2 gegen eine verkalkte Aortenklappe?

Für die Klappe nach der vorliegenden Studienlage nicht. In einer randomisierten Studie an 365 Männern über zwei Jahre veränderte Vitamin K2 zusammen mit Vitamin D das Fortschreiten der Klappenverkalkung nicht, obwohl der zugehörige Biomarker sich deutlich verbesserte.

Für die Herzkranzgefäße sieht es anders aus: Dort fanden zwei randomisierte Studien 2026 eine langsamere Zunahme der Verkalkung. Dieselbe Tablette, zwei Gewebe, zwei Antworten. Gegen eine verengte Klappe wird sie hier deshalb nicht empfohlen.

Warum verkalkt eine Herzklappe überhaupt?

Nicht durch Abnutzung, sondern durch einen aktiv gesteuerten Vorgang, bei dem Klappenzellen Knochensubstanz einlagern. Beteiligt sind Alter, Blutdruck, Stoffwechsel, die Nierenfunktion, eine angeborene Klappenform aus zwei statt drei Segeln sowie oxidierte Fette und das erbliche Lipoprotein(a).

Hängt eine Klappenerkrankung mit Vorhofflimmern zusammen?

Ja, in beide Richtungen. Eine undichte Mitralklappe dehnt den Vorhof und begünstigt das Flimmern, und anhaltendes Flimmern dehnt den Klappenring und kann eine Klappe undicht werden lassen. Deshalb gehören beide Befunde zusammen beurteilt.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

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Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

Was es kostet

Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

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