Koronare Herzkrankheit und Gefäßverkalkung
Kein Rohr, das zuwächst. Ein Vorgang, der sich beeinflussen lässt.
Koronare Herzkrankheit heißt: Ablagerungen in den Wänden der Herzkranzgefäße. Wie schnell sie wachsen, hängt von Dingen ab, die sich messen und behandeln lassen. Genau das ist die Arbeit, um die es hier geht.
Warum Gefäße verkalken
Kein verstopftes Rohr, sondern ein entzündlicher Vorgang
Die Erkrankung, um die es hier geht, heißt im Arztbrief koronare Herzkrankheit, kurz KHK: Ablagerungen in den Wänden der Herzkranzgefäße, die die Durchblutung des Herzmuskels beeinträchtigen können. Das gängige Bild dazu ist das einer Leitung, in der sich Fett ablagert, bis sie eng wird. Es ist nicht falsch, aber es erklärt zu wenig.
Am Anfang steht eine Verletzung der Gefäßinnenwand. Dort lagert sich Cholesterin ein, vor allem das LDL, und entscheidend ist, was danach passiert: Das eingelagerte Cholesterin löst eine Entzündungsreaktion aus. Immunzellen wandern ein, nehmen die Fettpartikel auf, werden zu Schaumzellen und bilden den Kern der Ablagerung. Verkalkung ist von Anfang an ein entzündliches Geschehen.
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Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sie hat eine Konsequenz. In einer Auswertung dreier randomisierter Studien an Menschen, die bereits ein Statin nahmen, sagte die verbliebene Entzündungslast künftige Ereignisse stärker voraus als das verbliebene Cholesterin. Wer nur auf den Cholesterinwert sieht, übersieht also einen wesentlichen Teil.
Ridker PM et al. Lancet. 2023;401(10384):1293–1301 · Libby P. Nature. 2021;592(7855):524–533
Um diesen Kern ordnen sich Faktoren, die in der üblichen Betrachtung oft fehlen: oxidativer Stress, der die Fettpartikel erst richtig schädlich macht. Das erbliche Lipoprotein(a), das unabhängig vom gewöhnlichen LDL wirkt. Die Insulinresistenz, die das Milieu der Gefäßwand verändert, bevor der Blutzucker auffällt. Und chronische Entzündungsherde aus der Ferne, etwa am Zahnfleisch.
Deshalb gehört neben das Lipidprofil der Blick auf die Entzündungswerte, auf Lipoprotein(a) und auf den Stoffwechsel. Mehr dazu
Die Verkalkung der Gefäßwand ist ein gesteuerter Vorgang, und ihm steht eine körpereigene Bremse gegenüber, das Matrix-Gla-Protein, dessen Aktivierung von Vitamin K abhängt. 2026 sind dazu zwei randomisierte Studien erschienen, und beide fanden unter Vitamin K2 ein langsameres Fortschreiten der Verkalkung der Herzkranzgefäße.
In der größeren, an 398 Menschen mit stark verkalkten Gefäßen über zwei Jahre, nahm die Verkalkung in beiden Gruppen zu, in der behandelten aber langsamer, ohne dass der nicht verkalkte Plaqueanteil anstieg.
Der Vorbehalt gehört unbedingt dazu, und er ist der Grund, warum das hier als Hinweis und nicht als Empfehlung steht: Gemessen wurde der Kalkscore, nicht der Herzinfarkt. Dass eine langsamer zunehmende Verkalkung auch weniger Ereignisse bedeutet, ist damit nicht gezeigt. Und an der Aortenklappe wirkte dieselbe Dosis nicht, was daran erinnert, wie gewebeabhängig dieser Vorgang ist. Der Vergleich im Einzelnen
Hasific S et al. Circulation. 2026 (DANCODE) · Vossen LM et al. JAMA Cardiol. 2026;11(8):719–726 (VitaK-CAC)
Was dazugehört
Der Rhythmus ist die eine Hälfte
Das hier ist die andere, und sie wird mitbehandelt.
Die Treiber behandeln
Die ganze Landkarte: was den Rhythmus von außen mitbestimmt.
Schlaf
Apnoe, Tiefe, Dauer. Der am besten belegte Treiber von allen.
Stoffwechsel
Insulin lange vor dem ersten erhöhten Blutzucker.
Hormone
Schilddrüse, und warum ein einzelnes TSH nicht genügt.
Mikronährstoffe
Magnesium, Kalium, Eisen, Vitamin D, Omega-3.
Stille Entzündung
Werte im Normbereich, die für den Vorhof zu hoch sind.
Darm
Mikrobiom und Vagusnerv, und was davon belegt ist.
Mitochondrien
Die Energie, mit der die Ionenpumpen arbeiten.
Wie es sichtbar wird
Was sich messen lässt, lange bevor etwas weh tut
Die koronare Herzkrankheit macht jahrzehntelang keine Beschwerden. Wer auf das Symptom wartet, wartet auf die späte Hälfte.
Im ersten Termin wird deshalb nicht nach einer Verengung gesucht, sondern nach dem Risiko, das sie erzeugt. Dazu gehören die Herzultraschalluntersuchung, der Blutdruck manschettenlos über 24 Stunden, und ein Labor, das über das übliche Lipidprofil hinausgeht: Lipoprotein(a), das jeder Mensch einmal im Leben bestimmen lassen sollte und das anschließend kaum schwankt, die Entzündungswerte, der Zuckerstoffwechsel einschließlich des Insulins, dazu Schilddrüse, Nierenwerte und Eisen.
Der Kalkscore ist die Untersuchung, die diesem Bild am meisten hinzufügt. In einer Untersuchung an rund 6.700 Menschen ohne bekannte Herzerkrankung stieg das Risiko für ein Herzereignis mit der Menge des nachweisbaren Kalks deutlich an, und zwar zusätzlich zu allem, was die klassischen Risikofaktoren schon vorhersagten.
Er wird mit einer Computertomographie erhoben, dauert wenige Minuten und findet nicht hier statt, sondern in der Radiologie. Wir sagen, wann er sich lohnt, und ordnen den Befund danach ein.
Detrano R et al. N Engl J Med. 2008;358(13):1336–1345
Was sie aufhält
Nach Sicherheit geordnet, nicht nach Beliebtheit
Die Verkalkung schreitet unterschiedlich schnell voran. Was das Tempo nachweislich ändert, steht oben.
Das LDL-Cholesterin senken, und zwar früh
Genetische, epidemiologische und randomisierte Daten stimmen hier ausnahmsweise vollständig überein: LDL verursacht die Gefäßverkalkung, es begleitet sie nicht nur. Entscheidend ist dabei nicht der Wert an einem Tag, sondern die Menge, die sich über Jahrzehnte summiert. Deshalb wiegt eine frühe Senkung mehr als eine späte.
Ference BA et al. Eur Heart J. 2017;38(32):2459–2472
Den Blutdruck senken und das Rauchen beenden
Beides wirkt auf dieselbe Gefäßwand, beides ist in großen Studien unbestritten, und beides braucht Begleitung statt eines Merkblatts. Zum Druck gehört die Messung über 24 Stunden, sonst behandelt man eine Momentaufnahme.
Ausführlich dazu: Bluthochdruck
Lipoprotein(a) einmal bestimmen
Es ist erblich, wirkt unabhängig vom gewöhnlichen LDL und wird in der Routine fast nie gemessen. Ein hoher Wert ändert nicht sofort die Behandlung, aber er ändert, wie konsequent alles andere angegangen wird, und er ist ein Grund, in der Familie nachzusehen.
Ausführlich dazu: Lipoprotein(a)
Die Entzündungslast und den Zuckerstoffwechsel mitbehandeln
Wenn die verbliebene Entzündung künftige Ereignisse stärker vorhersagt als das verbliebene Cholesterin, dann gehört sie gemessen. Dasselbe gilt für die Insulinresistenz, die das Milieu der Gefäßwand verändert, lange bevor der Nüchternblutzucker auffällt. Beides ist gut begründet, beides ist als eigenständiges Behandlungsziel weniger hart belegt als die Senkung des LDL.
Dazu gehört auch die Suche nach einer Schlafapnoe und nach stillen Entzündungsherden. Stille Entzündung · Schlaf
Der Eingriff
Wann ein Stent hilft, und wann er es nicht tut
Diese Praxis führt keine Eingriffe an den Kranzgefäßen durch. Umso wichtiger ist, was die Studienlage dazu sagt.
Bei einem Herzinfarkt ist die Sache eindeutig: Dort zählt jede Minute, und das Gefäß gehört so schnell wie möglich wieder geöffnet. Bei der stabilen koronaren Herzkrankheit, also bei Beschwerden, die seit Längerem gleich bleiben, ist die Antwort eine andere.
In zwei großen randomisierten Studien verhinderte eine zusätzliche Behandlung mit Katheter oder Bypass Herzinfarkte und Todesfälle nicht häufiger als eine konsequente medikamentöse Behandlung allein.
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Was der Eingriff besser konnte, war die Beschwerden lindern, und zwar zunächst deutlich. Wer also vor allem unter Angina leidet, profitiert. Wer hofft, damit dem Infarkt zuvorzukommen, hofft auf etwas, das die Studien nicht gezeigt haben.
Maron DJ et al. N Engl J Med. 2020;382(15):1395–1407 (ISCHEMIA) · Boden WE et al. N Engl J Med. 2007;356(15):1503–1516 (COURAGE)
- Brustschmerz, der neu auftritt, stärker wird oder schon in Ruhe kommt.
- Brustschmerz mit Luftnot, kaltem Schweiß, Übelkeit oder Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer.
Dann gilt der Notruf 112 und nicht ein Termin. Diese Praxis ist keine Notfallversorgung.
Und der Rhythmus
Warum diese Seite in einer Rhythmuspraxis steht
Ein Herzmuskel, der schlechter durchblutet ist oder eine Narbe trägt, leitet den elektrischen Impuls anders. Extraschläge aus der Kammer werden häufiger, und in der Narbe selbst können kreisende Erregungen entstehen. Umgekehrt teilen sich die koronare Herzkrankheit und das Vorhofflimmern fast alle Treiber: Blutdruck, Zuckerstoffwechsel, Entzündung, Schlafapnoe, Gewicht.
Deshalb wird hier bei einem Rhythmusbefund nach den Gefäßen gefragt und bei einem Gefäßbefund nach dem Rhythmus. Es ist dieselbe Wand, dieselbe Entzündung und oft derselbe Mensch.
Fragen
Fragen zur koronaren Herzkrankheit
Ist ein hoher Kalkscore ein Grund zur Panik?
Nein, aber er ist ein Grund zum Handeln. Der Wert beschreibt, wie viel Verkalkung sich über Jahre angesammelt hat, und er sagt etwas über das Risiko der nächsten Jahre. Er sagt nicht, dass ein Gefäß gerade eng ist. Was daraus folgt, ist meist keine Untersuchung, sondern eine konsequentere Behandlung der Treiber.
Lässt sich eine Verkalkung wieder rückgängig machen?
Die Verkalkung selbst verschwindet in aller Regel nicht. Was sich ändern lässt, ist das Tempo, mit dem sie zunimmt, und die Beschaffenheit der Ablagerung: Unter konsequenter Senkung des LDL werden Plaques kleiner und stabiler. Das Ziel ist deshalb nicht ein schöneres Bild, sondern eine Ablagerung, die nicht aufreißt.
Brauche ich ein Statin, wenn meine Werte normal sind?
Das hängt nicht vom Wert allein ab, sondern vom Gesamtrisiko, von Lipoprotein(a), von der Familiengeschichte und davon, ob bereits Verkalkung nachweisbar ist. Normal ist ein statistischer Begriff, kein persönlicher. Wir besprechen das mit Ihren Zahlen und entscheiden es gemeinsam.
Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person
Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.
Sie sind damit nicht allein
Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.
Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.
Termin
Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.
Termin vereinbarenNichts mitbringen
Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.
Was Ihnen das erspart
Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.
Was es kostet
Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.
Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.