Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Anfallsartiges Herzrasen

Aus dem Nichts. Und genauso plötzlich wieder vorbei.

Der Puls steht bei 180, der Kopf rechnet mit dem Schlimmsten, und dann hört es von selbst auf. Beim Arzt war das EKG jedes Mal unauffällig, weil der Anfall vorher aufgehört hatte. Nicht selten heißt es dann, es seien Panikattacken. Dahinter steckt meist etwas anderes, und etwas sehr gut Behandelbares.

Hält der Anfall an und kommen Brustschmerz, Luftnot oder Schwindel dazu, gilt der Notruf 112.

Schmal, streng regelmäßig, keine erkennbaren P-Wellen AVNRT · 185/min

Das Wichtigste

Drei Fragen, gleich vorweg

Mehr dazu steht weiter unten. Diese drei Antworten sollten Sie nicht suchen müssen.

Ist das gefährlich?

Bei diesen Formen ist das Herz in aller Regel gesund, und der Anfall endet von selbst. Unangenehm ist er trotzdem, und er gehört geklärt. Kommen Brustschmerz, Luftnot, starker Schwindel oder eine Beinahe-Ohnmacht dazu, gilt der Notruf.

Sind das Panikattacken?

Oft wird das gesagt, und oft stimmt es nicht. Dieses Herzrasen beginnt schlagartig, wie ein Schalter, schlägt streng gleichmäßig und endet ebenso plötzlich. Die Angst kommt meist hinterher. Ein EKG während des Anfalls klärt die Frage.

Geht das wieder weg?

Hier hilft keine Ursachensuche, denn der Mechanismus liegt anatomisch fest: eine Leitungsbahn, die dort nicht hingehört. Genau deshalb lässt er sich gezielt behandeln, und die europäische Leitlinie nennt den Eingriff Behandlung der ersten Wahl.

Was dahintersteckt

Ein Kurzschluss, kein krankes Herz

Bei diesen Rhythmusstörungen kreist die elektrische Erregung auf einer zusätzlichen oder doppelt angelegten Leitungsbahn, wie ein Signal, das in einer Schleife hängen bleibt. Das Herz selbst ist dabei in aller Regel gesund. Betroffen sind häufig Menschen zwischen zwanzig und fünfzig.

Die häufigste Form

AV-Knoten-Reentrytachykardie

Im Schaltzentrum zwischen Vorhof und Kammer sind zwei Leitungswege angelegt. Unter bestimmten Bedingungen schließt sich zwischen ihnen ein Kreis.

Angeboren

Akzessorische Leitungsbahn

Eine zusätzliche Verbindung zwischen Vorhof und Kammer, die dort nicht hingehört, im EKG mitunter schon außerhalb des Anfalls erkennbar (WPW).

Kurz gesagt Hier trägt die Suche nach Treibern nichts bei. Der Mechanismus liegt anatomisch fest, der Katheter zielt direkt darauf.

Im Anfall

Zwei Dinge, die Sie selbst tun können

Bis der Anfall von allein aufhört oder Sie ärztliche Hilfe erreichen, sind Sie nicht machtlos. Beides gehört vorher einmal mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen, damit klar ist, dass es in Ihrem Fall passt.

Vagusmanöver: pressen, dann hinlegen und Beine hoch

Setzen Sie sich halb aufrecht hin und pressen Sie etwa fünfzehn Sekunden kräftig gegen die geschlossene Stimmritze, wie beim Stuhlgang. Legen Sie sich unmittelbar danach flach hin und lassen Sie sich die Beine für etwa fünfzehn Sekunden anheben, am besten von einer zweiten Person.

In einer randomisierten Studie beendete diese Abfolge den Anfall bei 43 Prozent der Behandelten, dasselbe Pressen ohne das anschließende Hinlegen nur bei 17 Prozent.

Ausführlich und Quellen

Appelboam A et al. Lancet. 2015;386(10005):1747–1753 (REVERT)

Kaltes Wasser ins Gesicht wirkt bei manchen ebenfalls. Auf den Hals drücken sollten Sie nicht, das gehört in ärztliche Hand.

Den Anfall aufzeichnen, solange er läuft

Der häufigste Grund, warum diese Rhythmusstörungen jahrelang unerkannt bleiben, liegt in ihrer Natur: Im EKG war jedes Mal nichts, weil der Anfall vorher aufgehört hatte. Ein EKG Ihrer Uhr während des Anfalls, als PDF gespeichert, kann die Diagnose praktisch entscheiden.

Ausführlich

Wenn Sie keine Uhr haben: Puls zählen und die Uhrzeit notieren. Gleichmäßig und sehr schnell ist ein anderer Hinweis als unregelmäßig.

Wann nicht selbst probieren

Wenn während des Herzrasens Brustschmerz, Luftnot, starker Schwindel oder eine Beinahe-Ohnmacht auftreten, oder wenn der Anfall nicht aufhört: Notruf 112. Das gilt auch, wenn Sie das Manöver schon kennen.

Der Fahrplan

Was tatsächlich mit Ihnen passiert

Sieben Schritte in drei Phasen. Die schwierigste ist die mittlere, denn der Anfall ist meist vorbei, bevor jemand ihn aufzeichnen kann.

Vorher

Alles, was den Anfall zeigt, ist mehr wert als jede Untersuchung zwischen den Anfällen.

  1. Aufzeichnungen mitbringen

    Jede Kurve aus einer Uhr, jedes alte EKG, jeder Notaufnahmebrief: Was den Anfall selbst zeigt, entscheidet die Diagnose oft allein.

    Was dabei passiert

    Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zum Bogen, dort laden Sie alles hoch. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

    Wenn Sie eine Uhr tragen: die Aufzeichnung als PDF speichern, nicht nur den Screenshot der Meldung. Was die Uhr wert ist

  2. Das Gespräch, und die Messung, die fehlt

    Wie der Anfall beginnt und endet, ist hier wichtiger als jeder Laborwert; gemessen wird danach EKG und Ultraschall.

    Was dabei passiert

    Schlagartig oder allmählich, streng regelmäßig oder unregelmäßig, beim Bücken oder in Ruhe: Diese Angaben trennen die Formen voneinander, lange bevor eine Messung es tut.

Den Anfall einfangen

Der häufigste Grund, warum das jahrelang unerkannt bleibt: Das EKG war jedes Mal unauffällig, weil der Anfall vorher aufgehört hatte.

  1. Langzeit-EKG über mehrere Tage

    Ein Tag reicht selten, wenn die Anfälle in Wochen und nicht in Stunden kommen.

    Was dabei passiert

    Je nach Häufigkeit über mehrere Tage, bei seltenen Anfällen mit einem Rekorder, der nur aufzeichnet, wenn Sie ihn auslösen.

  2. Ihre eigene Aufzeichnung

    Ein EKG Ihrer Uhr während des Anfalls kann die Diagnose praktisch entscheiden.

    Was dabei passiert

    Deshalb steht in diesem Haus die Bitte an jedem Termin: Wenn es wieder passiert, zeichnen Sie auf, und wenn das nicht geht, zählen Sie den Puls und notieren Sie die Uhrzeit. Gleichmäßig und sehr schnell ist ein anderer Hinweis als unregelmäßig.

Wenn eine Bahn dahintersteckt

Dann liegt der Mechanismus anatomisch fest, und er lässt sich gezielt behandeln.

  1. Die elektrophysiologische Untersuchung

    Über die Leiste wird die Leitung im Herzen vermessen und der Kreis sichtbar gemacht, der den Anfall trägt.

    Was dabei passiert

    Sie schlafen dabei oder sind tief beruhigt. Untersuchung und Behandlung finden in aller Regel in einer Sitzung statt: Was gefunden wird, wird gleich behandelt.

  2. Der Eingriff selbst

    Die Stelle, an der sich der Kreis schließt, wird aufgesucht und gezielt verödet.

    Was dabei passiert

    In der europäischen Leitlinie zu supraventrikulären Tachykardien ist die Katheterablation bei diesen Rhythmusstörungen Behandlung der ersten Wahl.

    Brugada J et al. Eur Heart J. 2020;41(5):655–720. Ablauf, Risiken und Nachsorge stehen auf Die Katheterablation.

  3. Der Termin danach

    Acht Wochen später wird nachgesehen, ob der Takt hält und ob aus dem Alltag wieder Alltag geworden ist.

    Was dabei passiert

    Dieser Termin steht schon bei der Entlassung im Kalender und ist nicht davon abhängig, dass Sie sich melden. Die Nachsorge

Nicht sicher, ob es Rasen oder Stolpern ist?

Der Unterschied ist nicht die Heftigkeit, sondern die Dauer: ein einzelner Schlag zu viel oder ein anhaltender Lauf. Zur Einordnung nach Herkunft und Dauer →

Ein Hinweis, der oft zu spät kommt

Weil zwischen den Anfällen alles unauffällig ist und der Anfall selten während einer Untersuchung auftritt, werden diese Beschwerden nicht selten über Jahre als Angststörung eingeordnet. Ein EKG, das den Anfall einfängt, klärt die Frage, sei es im Langzeit-EKG über mehrere Tage oder als Aufzeichnung Ihrer Uhr, und danach ist sie meist in einem Eingriff erledigt.

Und wenn Sie dabei einmal kurz weg waren, gehört das gesondert eingeordnet: Eine Ohnmacht, der unmittelbar Herzrasen vorausgeht, ist ein eigener Befund und verändert die Reihenfolge der Untersuchungen. Zur Ohnmacht

Fragen

Fragen zu Herzrasen

Was ist der Unterschied zwischen Herzrasen und Panik?

Anfallsartiges Herzrasen durch eine zusätzliche Leitungsbahn beginnt schlagartig, wie ein Schalter, und endet ebenso plötzlich. Der Puls ist dabei streng regelmäßig. Angst kommt oft erst hinterher. Bei Panik steigt der Puls eher allmählich. Ein EKG während des Anfalls, auch von einer Uhr, klärt das meist.

Was kann ich im Anfall selbst tun?

Ein Vagusmanöver kann den Anfall beenden: tief einatmen, die Luft anhalten und wie beim Pressen auf der Toilette Druck aufbauen, dann hinlegen und die Beine anheben. Wenn der Anfall nicht aufhört oder Brustschmerz, Luftnot oder starker Schwindel dazukommen: Notruf 112.

Lässt sich Herzrasen dauerhaft behandeln?

Bei AVNRT und WPW ja: Die zusätzliche Leitungsbahn lässt sich in einer Katheterablation gezielt unterbrechen. Das ist bei diesen Rhythmusstörungen die Behandlung selbst, nicht nur eine Option. Ob sie bei Ihnen sinnvoll ist, besprechen wir nach EKG und Ultraschall.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

Termin

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.

Termin vereinbaren

Nichts mitbringen

Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

Was es kostet

Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

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