Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Herzstolpern und Aussetzer

Ein Schlag zu viel. Und die Pause danach.

Erst ein Aussetzer, dann ein Schlag, der bis in den Hals geht. Meist abends, wenn es ruhig wird. Und meist hat Ihnen jemand gesagt, dass es harmlos sei. Wahrscheinlich stimmt das sogar. Nur beruhigt dieser Satz erst dann, wenn vorher jemand nachgesehen hat.

Kommen Brustschmerz, Luftnot oder eine Ohnmacht dazu, gilt der Notruf 112.

Ein breiter Extraschlag, danach eine vollständige Pause Ventrikuläre Extrasystolen

Das Wichtigste

Drei Fragen, gleich vorweg

Mehr dazu steht weiter unten. Diese drei Antworten sollten Sie nicht suchen müssen.

Ist das gefährlich?

Meist nicht. Einzelne Extraschläge hat fast jeder Mensch, oft ohne sie zu bemerken. Entscheidend sind nicht die Wucht und nicht der Schreck, sondern drei Dinge: wie viele es sind, woher sie kommen und ob das Herz sonst gesund ist. Alle drei lassen sich messen.

Woher kommt das?

Häufig sind Schlafmangel, Alkohol, Koffein, anhaltender Stress, ein Mangel an Magnesium, Kalium oder Eisen und eine zu aktive Schilddrüse. Oft kommen mehrere zusammen. Das zu suchen ist Teil der Abklärung und nicht Nebensache.

Muss ich etwas tun?

Wenn es neu ist, häufiger wird oder mit Schwindel und Luftnot einhergeht, gehört es abgeklärt. Sonst gilt: Eine Abklärung schafft Klarheit, und die fällt bei Herzstolpern meist beruhigend aus. Behandelt wird erst, wenn es dafür einen Grund gibt.

Was Sie spüren

Nicht der Extraschlag, sondern der übernächste

Ein Extraschlag kommt zu früh. Die Kammer ist zu diesem Zeitpunkt noch wenig gefüllt, er wirft also kaum Blut aus, deshalb ist er selbst kaum zu bemerken. Danach wartet das Herz einen Moment länger als gewohnt.

In dieser Pause füllt sich die Kammer stärker als sonst, und der nächste Schlag fällt entsprechend kräftig aus. Dieser Schlag ist das, was ankommt.

Daraus folgt etwas Wichtiges: Die Wucht des Gefühls sagt nichts über die Bedeutung. Ein sehr deutlich gespürtes Stolpern kann völlig harmlos sein, und wer hundert Extraschläge am Tag hat, bemerkt davon oft keinen einzigen.

Das Bild im EKG

Ein Schlag zu früh, dann wieder Takt

Der Extraschlag aus dem Vorhof kommt vor der Zeit. Danach stellt sich der Sinusknoten neu, und der Takt läuft weiter. Gespürt wird meist nicht der Extraschlag, sondern der kräftige Schlag danach.

Die Einordnung

Woher kommt er, und wie lange bleibt er?

Mit diesen zwei Fragen lässt sich fast jede Rhythmusstörung sortieren. Aus ihnen ergeben sich vier Felder, und jedes bedeutet etwas anderes.

Ein einzelner Schlag
Ein anhaltender Lauf
Oberhalb der Kammer
Aus der Kammer
Schmaler Extraschlag, zu früh, mit eigener Vorhofwelle Supraventrikuläre Extrasystolen

Supraventrikuläre Extrasystole

Der Extraschlag entsteht im Vorhof und nimmt von dort den gewohnten Weg in die Kammer. Deshalb bleibt er im EKG schmal, nur die Vorhofwelle davor sieht anders aus als sonst. Einzelne davon hat praktisch jeder Mensch, an jedem Tag.

Bedeutsam ist nicht der einzelne Schlag, sondern die Menge. Treten sehr viele auf, ist das ein Hinweis, dem nachgegangen werden sollte: In einer Untersuchung an älteren Menschen ging eine hohe Zahl supraventrikulärer Extraschläge im Langzeit-EKG häufiger einem späteren Vorhofflimmern voraus.

Binici Z et al. Circulation. 2010;121(17):1904–1911

Weg Vorhofflimmern

Diese Einteilung ist Orientierung, kein Schema. Was Sie spüren, sagt nicht zuverlässig, woher der Schlag kommt, das entscheidet ein EKG, das ihn aufzeichnet.

Der Fahrplan

Was tatsächlich mit Ihnen passiert

Sieben Schritte in drei Phasen. Die mittlere entscheidet alles Weitere, und sie besteht aus drei Fragen.

Vorher

Wir lesen Ihre Unterlagen, bevor Sie im Zimmer sitzen.

  1. Der Bogen, in Ruhe zu Hause

    Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link, dort beantworten Sie die Fragen und laden hoch, was schon vorliegt.

    Was dabei passiert

    Alte EKGs, Langzeit-EKGs, Arztbriefe, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

    Wenn Sie eine Uhr tragen und eine Episode aufgezeichnet haben, bringen Sie die Aufzeichnung mit. Sie ist oft das einzige Bild des Ereignisses selbst. Was die Uhr wert ist

  2. Das Gespräch, und die Messung, die fehlt

    Weil die Vorgeschichte bekannt ist, geht es gleich um Ihre Fragen; gemessen wird danach nur, was für die Einordnung fehlt.

    Was dabei passiert

    EKG, Echokardiographie, bei Bedarf ein Langzeit-EKG über mehrere Tage. Am Ende steht schriftlich, was gesichert ist, was offen bleibt und was als Nächstes sinnvoll wäre.

Die Klärung

Drei Fragen entscheiden alles Weitere: wie viele, woher, und ob das Herz sonst gesund ist.

  1. Wie viele es sind

    Erst die Zahl macht aus einem Gefühl einen Befund, und sie kommt aus dem Langzeit-EKG.

    Was dabei passiert

    Über 24 Stunden, bei Bedarf über mehrere Tage. Ist der Anteil an allen Schlägen sehr hoch, kann die Pumpfunktion darunter leiden, und in Untersuchungen dazu erholte sie sich wieder, wenn die Extraschläge verschwanden.

    Die Wucht des Gefühls sagt dazu nichts: Wer hundert am Tag hat, bemerkt davon oft keinen einzigen.

  2. Woher sie kommen

    Stammen alle Extraschläge aus einer einzigen Quelle, sehen sie einander gleich, und genau dann kann der Katheter gezielt helfen.

    Was dabei passiert

    Die Stelle lässt sich im EKG erkennen und im Eingriff aufsuchen. Stammen sie aus wechselnden Quellen, wird zuerst weiter untersucht.

  3. Ob das Herz sonst gesund ist

    Dieselben Extraschläge bedeuten bei einem gesunden und bei einem vorgeschädigten Herzen nicht dasselbe.

    Was dabei passiert

    Echokardiographie in der Praxis, bei Bedarf eine Kernspinuntersuchung des Herzens, die wir anordnen und die bei einem Kooperationspartner stattfindet. Die Zahl allein entscheidet nicht.

Was daraus folgt

Gemessen, nicht geraten. Und der Eingriff nur, wenn er etwas ändert.

  1. Die Auslöser prüfen, einen nach dem anderen

    Schilddrüse, Kalium und Magnesium, Eisen, Schlaf, Alkohol und Koffein lassen sich messen statt vermuten.

    Was dabei passiert

    Nicht jeder Auslöser lässt sich finden, und nicht jeder gefundene Wert ist die Erklärung. Was behandelt wird, wird vorher gemessen und danach kontrolliert.

    Wie diese Treiber behandelt werden, steht auf Die Treiber behandeln.

  2. Wenn der Katheter sinnvoll ist

    Wenn es viele sind, alle aus einer Quelle stammen und Beschwerden oder die Pumpfunktion es rechtfertigen, wird die Stelle aufgesucht und gezielt verödet.

    Was dabei passiert

    Der häufigste Ursprung liegt im Ausflusstrakt der rechten Herzkammer, einer Stelle, die im EKG gut zu erkennen und gut zu erreichen ist.

    Ablauf, Risiken und Nachsorge stehen auf Die Katheterablation.

Wann nicht abgewartet wird
  • Bewusstlosigkeit oder Beinahe-Ohnmacht während des Herzrasens
  • Herzrasen zusammen mit Luftnot oder Brustschmerz
  • Ein plötzlicher, ungeklärter Todesfall in der Familie vor dem 50. Lebensjahr
  • Herzstolpern nach einem Herzinfarkt oder bei bekannter Herzschwäche

Diese Situationen gehören zeitnah ärztlich abgeklärt, nicht beobachtet. Bei akuten Beschwerden wählen Sie den Notruf 112.

Kurz gesagt Nicht das Stolpern entscheidet, sondern die Zahl, die Herkunft und der Zustand des Herzens. Alle drei lassen sich messen.
Wenn die Extraschläge aus der Kammer kommen

Dafür gibt es eine eigene Seite, weil sich dort zwei Fragen anders beantworten: Wann sind sie wirklich gefährlich, und ab welchem Anteil am Tag können sie die Pumpkraft schwächen. Beides mit Zahlen. Rhythmusstörungen aus der Kammer →

Fragen

Fragen zu Herzstolpern

Ist Herzstolpern gefährlich?

Meist nicht. Einzelne Extraschläge hat fast jeder Mensch, oft ohne sie zu spüren. Entscheidend sind drei Dinge: wie viele es sind, woher sie kommen (Vorhof oder Kammer) und ob das Herz sonst gesund ist. Alle drei lassen sich mit EKG, Langzeit-EKG und Ultraschall messen. Bei Ohnmacht, Brustschmerz oder Luftnot dazu: Notruf 112.

Was löst Herzstolpern aus?

Häufige Auslöser sind Schlafmangel, Alkohol, Koffein, Stress, Magnesium- oder Kaliummangel und eine überaktive Schilddrüse. Oft kommen mehrere zusammen. Sie zu finden ist Teil der Abklärung, nicht Nebensache.

Wann sollte ich Herzstolpern abklären lassen?

Wenn es neu ist, häufiger wird, mit Schwindel oder Luftnot einhergeht, oder wenn eine Herzerkrankung in der Familie vorkommt. Auch wenn es Sie beunruhigt: Eine Abklärung schafft Klarheit, und die ist bei Herzstolpern meist beruhigend.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

Termin

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.

Termin vereinbaren

Nichts mitbringen

Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

Was es kostet

Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

Termin anfragen