Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Ohnmacht und Schwindel

Kurz weg gewesen. Die Frage ist, warum.

Seitdem sitzt die Sorge mit im Raum: vor dem nächsten Mal, vor dem Sturz, vor dem Autofahren. Die entlastende Nachricht zuerst: Die häufigste Form ist harmlos. Welche es bei Ihnen war, entscheidet sich weniger an einer Untersuchung als an dem, was in den Sekunden davor geschah.

Bei einer Ohnmacht mit Verletzung, Brustschmerz oder Luftnot gilt der Notruf 112.

Zwischen den Ereignissen ist das EKG meist unauffällig Sinusrhythmus · 60/min

Das Wichtigste

Drei Fragen, gleich vorweg

Mehr dazu steht weiter unten. Diese drei Antworten sollten Sie nicht suchen müssen.

Ist das gefährlich?

Die häufigste Form ist gutartig und verkürzt das Leben nicht. Gefährlich sind zwei Dinge: der Sturz selbst und die seltenere Ohnmacht, die vom Herzen ausgeht. Deshalb wird nicht jede dramatisiert, aber jede einmal eingeordnet.

Woran erkenne ich, welche es war?

Nicht daran, wie dramatisch es aussah, sondern daran, was vorausging. Eine Ohnmacht mit Vorgefühl im Stehen ist etwas anderes als eine ohne jede Vorwarnung im Sitzen. Und eine während körperlicher Anstrengung gehört zügig abgeklärt.

Darf ich Auto fahren?

Das hängt von der gefundenen Ursache ab, davon, ob eine Vorwarnung besteht, und von Ihrer Fahrerlaubnis. Dafür gibt es verbindliche Vorgaben. Ich spreche das im ersten Termin aktiv an, auch wenn Sie nicht danach fragen.

Die drei Gruppen

Fast alle Ohnmachten gehören in eine von drei Schubladen

Der medizinische Begriff für eine kurze Bewusstlosigkeit durch eine vorübergehend zu geringe Durchblutung des Gehirns ist Synkope. Sie in die richtige Gruppe zu bringen, entscheidet über alles, was danach folgt.

Die Reflexsynkope

Die weitaus häufigste Form, und die gute Nachricht in diesem Feld. Ein Reflex weitet die Gefäße und bremst gleichzeitig den Puls, der Kreislauf sackt ab und der Blutdruck fällt, das Gehirn bekommt für einige Sekunden zu wenig.

Ausgelöst wird sie durch langes Stehen, Wärme, Schmerz, den Anblick von Blut, eine Blutentnahme, manchmal durch Husten, Pressen oder das Wasserlassen.

Ausführlich

Sie kündigt sich fast immer an: Übelkeit, Wärme, Schwitzen, Blässe, Ohrensausen, Schwarzwerden vor den Augen. Diese Vorwarnung ist das wichtigste Erkennungsmerkmal, und sie ist zugleich die Chance, sich hinzusetzen oder hinzulegen, bevor es passiert. Das Herz ist dabei gesund, die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt.

Behandelt wird sie meist ohne Medikamente: reichlich trinken, Salz nicht meiden, Auslöser kennen, bei den ersten Zeichen sofort hinlegen und die Beine hoch. Dazu ein Griff, der wirklich hilft und den kaum jemand beigebracht bekommt: bei den ersten Vorzeichen die Hände ineinander haken und kräftig auseinanderziehen oder die Beine überkreuzen und anspannen. Das hebt den Blutdruck genug, um viele Ohnmachten abzufangen.

Der Blutdruckabfall beim Aufstehen

Beim Aufstehen sinkt der Blutdruck stärker und länger als er sollte. Typisch ist der Zusammenhang mit dem Lagewechsel: aus dem Bett, vom Stuhl, nach dem Essen. Häufige Ursachen sind Medikamente, zu wenig Flüssigkeit, eine Erkrankung des vegetativen Nervensystems oder eine Kombination davon.

Ausführlich

Hier liegt oft der schnellste Gewinn, weil sich Medikamente anpassen lassen. Genau deshalb gehört die vollständige Liste dessen, was Sie einnehmen, zum ersten Termin. Auch Mittel, die nichts mit dem Herzen zu tun zu haben scheinen.

Die Ohnmacht durch das Herz

Hier liegt die Ursache im Herzen selbst, und hier ist die Abklärung wirklich wichtig. Zwei Wege führen dorthin. Der Rhythmus kann zu langsam werden oder aussetzen, dann fehlt für Sekunden der Auswurf.

Oder er wird so schnell, dass die Kammer sich zwischen den Schlägen nicht mehr füllt. Seltener liegt eine Verengung vor, etwa an der Aortenklappe, die unter Belastung nicht genug Blut durchlässt.

Ausführlich

Das Erkennungsmerkmal ist oft die fehlende Vorwarnung. Wer ohne jedes Vorgefühl mitten in einer Bewegung zusammensinkt, hatte vermutlich keinen Reflex, sondern eine Pause. Und wenn eine Ohnmacht während körperlicher Anstrengung auftritt, nicht danach, gehört sie zügig abgeklärt.

Das ist die Gruppe, für die diese Praxis gedacht ist. Sie ist die seltenere von den drei, und gerade deshalb lohnt es sich, sie nicht zu übersehen.

Kurz gesagt Die Frage ist nicht, wie dramatisch die Ohnmacht war, sondern was ihr vorausging. Eine angekündigte Ohnmacht im Stehen und eine unangekündigte im Sitzen sind zwei verschiedene Befunde.

Was dafür spricht

Die Merkmale, die für das Herz sprechen

Diese Zeichen stehen so in der europäischen Leitlinie. Sie bedeuten nicht, dass etwas Ernstes vorliegt. Sie bedeuten, dass nicht abgewartet werden sollte, bis es sich von selbst erklärt.

Wenn eines davon zutrifft, nehmen Sie es mit in den Termin, und sagen Sie es gleich am Anfang. Es verändert die Reihenfolge der Untersuchungen.

In der Situation

Wann es geschah

Während körperlicher Belastung, nicht danach. Im Liegen oder Sitzen. Ohne jede Vorwarnung. Oder unmittelbar nachdem das Herz gerast oder gestolpert hat.

In der Vorgeschichte

Was schon bekannt ist

Eine bekannte Herzerkrankung, eine schwache Pumpfunktion, ein früherer Infarkt. Ein auffälliges EKG. Oder ein plötzlicher, unerklärter Todesfall in der Familie, besonders in jungen Jahren.

Brignole M et al. Eur Heart J. 2018;39(21):1883–1948

Wann nicht auf einen Termin warten

Bei einer Ohnmacht während körperlicher Anstrengung, bei einer Ohnmacht mit Verletzung ohne jedes Vorgefühl, bei Brustschmerz oder Luftnot dazu, oder wenn jemand nicht binnen kurzer Zeit wieder vollständig bei sich ist: Notruf 112. Diese Praxis ist keine Notfallversorgung.

Die Abklärung

Was hier gemacht wird, und in welcher Reihenfolge

Acht Schritte in drei Phasen. Der wichtigste ist das Gespräch, und er kostet nur Zeit.

Bevor Sie kommen

Bei der Ohnmacht entscheidet die Vorgeschichte mehr als jedes Gerät.

  1. Fünf Zeilen aufschreiben

    Datum und Uhrzeit, Ihre Lage, das Vorgefühl, die Dauer, ob Sie sich verletzt haben.

    Was dabei passiert

    Diese fünf Zeilen sind oft wertvoller als eine weitere Untersuchung. Dazu, was Sie an diesem Tag eingenommen hatten.

  2. Jemanden mitbringen, der es gesehen hat

    Was Umstehende beobachtet haben, können Sie selbst nicht wissen, und genau daran hängt die Einordnung.

    Was dabei passiert

    Wie lange es dauerte, ob es Zuckungen gab, wie Sie zu sich kamen, ob Sie sofort wieder ansprechbar waren.

  3. Die vollständige Medikamentenliste

    Auch die Mittel, die mit dem Herzen nichts zu tun zu haben scheinen.

    Was dabei passiert

    Beim Blutdruckabfall nach dem Aufstehen liegt hier oft der schnellste Gewinn, weil sich Medikamente anpassen lassen.

Im Termin

Erst das Gespräch, dann die Geräte. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

  1. Das lange Gespräch

    Was Sie in den letzten Sekunden gespürt haben, in welcher Lage Sie waren und was Sie davor getan hatten, entscheidet die Gruppe.

    Was dabei passiert

    Deshalb ist der erste Termin hier lang. Eine angekündigte Ohnmacht im Stehen und eine unangekündigte im Sitzen sind zwei verschiedene Befunde, und kein Gerät trennt sie so zuverlässig wie diese Angaben.

  2. EKG, Ultraschall, Blutdruck

    Das EKG sucht nach einer Leitungsstörung, der Ultraschall klärt Pumpfunktion und Klappen, der Blutdruck wird über vierundzwanzig Stunden gemessen.

    Was dabei passiert

    Die Blutdruckmessung läuft manschettenlos und gibt bei der Frage nach Medikamenten oft den Ausschlag. Was genau untersucht wird

Bis es sich zeigt

Das Kernproblem der Ohnmacht ist ihre Seltenheit. Also richtet sich die Aufzeichnung nach Ihnen und nicht nach dem Üblichen.

  1. So lange aufzeichnen, wie es braucht

    Ein Langzeit-EKG über einen Tag trifft ein Ereignis, das alle drei Monate auftritt, praktisch nie.

    Was dabei passiert

    Bei häufigen Ereignissen genügt ein Langzeit-EKG, bei seltenen braucht es eine Aufzeichnung über Wochen bis Monate, die hier veranlasst und in Zusammenarbeit durchgeführt wird.

    Wenn Sie eine Uhr tragen, sind ihre Aufzeichnungen ausdrücklich willkommen. Ein Puls, der zum Zeitpunkt der Ohnmacht dokumentiert ist, kann die Frage entscheiden. Was Ihre Uhr beitragen kann

  2. Den Weg bahnen, wo andere zuständig sind

    Kipptischuntersuchung, Schlaflabor und neurologische Abklärung finden an Stellen statt, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten.

    Was dabei passiert

    Wo eines davon gebraucht wird, stellen wir die Indikation und bahnen den Weg dorthin. Der Befund kommt zurück und wird hier eingeordnet, statt dass Sie ihn selbst weitertragen müssen.

  3. Wenn ein Schrittmacher nötig ist

    Dann organisiere ich den Weg dorthin und bleibe in der Begleitung.

    Was dabei passiert

    Die Entscheidung dafür fällt nicht an der Pulszahl, sondern daran, ob Ihre Beschwerden nachweislich vom Rhythmus kommen. Die Schrittmacherfrage

Die Frage, die fast alle stellen und fast niemand beantwortet

Darf ich Auto fahren? Das hängt davon ab, welche Ursache gefunden wurde, ob eine Vorwarnung besteht und welche Fahrerlaubnis Sie haben. Es gibt dafür verbindliche Vorgaben, und sie sind nicht in jedem Fall dieselben.

Ich spreche das im ersten Termin aktiv an, auch wenn Sie nicht danach fragen, weil eine ungeklärte Ohnmacht am Steuer jeden betrifft, der mit Ihnen auf der Straße ist.

Fragen

Fragen zu Ohnmacht und Schwindel

Ist eine Ohnmacht gefährlich?

Die häufigste Form, die Reflexsynkope, ist gutartig und verkürzt das Leben nicht. Gefährlich sind zwei Dinge: der Sturz selbst und die seltenere Ohnmacht, die vom Herzen ausgeht. Deshalb wird nicht jede Ohnmacht dramatisiert, aber jede einmal eingeordnet. Die Merkmale, die für das Herz sprechen, stehen weiter oben auf dieser Seite.

Im Krankenhaus war alles normal. Was soll eine weitere Abklärung bringen?

Ein normales EKG und ein normaler Ultraschall schließen eine rhythmogene Ursache nicht aus, weil die Störung zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht auftritt. Was fehlt, ist in vielen Fällen eine Aufzeichnung über einen Zeitraum, der zur Häufigkeit Ihrer Ereignisse passt. Genau da setzt die Abklärung hier an.

Ich werde nur schwindelig, ohne umzufallen. Zählt das auch?

Ja, und es ist häufig. Ein Schwindel mit Schwarzwerden vor den Augen, der beim Aufstehen oder Stehen auftritt, deutet auf denselben Mechanismus und wird genauso eingeordnet. Wichtig ist die Unterscheidung von einem Drehschwindel, der eher vom Gleichgewichtsorgan kommt und in andere Hände gehört. Wie Sie es beschreiben, hilft dabei mehr als jede Untersuchung.

Kann Ohnmacht mit Herzrhythmusstörungen zusammenhängen?

Ja, in beide Richtungen. Ein zu langsamer Puls mit Pausen kann eine Ohnmacht auslösen, und ein sehr schneller Rhythmus ebenso. Wenn das Herz unmittelbar vor der Ohnmacht gerast oder gestolpert hat, ist das ein wichtiger Hinweis. Zum zu langsamen Puls · Zum anfallsartigen Herzrasen

Muss ich einen Schrittmacher bekommen?

Nur wenn eine Ohnmacht nachweislich durch einen zu langsamen Puls oder eine Pause verursacht wird und diese nicht behebbar ist. Dafür braucht es den dokumentierten Zusammenhang zwischen Rhythmus und Beschwerden, nicht nur einen auffälligen Wert. Diesen Nachweis zu führen oder zu widerlegen, ist ein Kern dieser Abklärung.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

Termin

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.

Termin vereinbaren

Nichts mitbringen

Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

Was es kostet

Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

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