Herzschwäche
Der Name führt in die Irre. Die häufigste Form pumpt kräftig genug.
Herzschwäche klingt nach einem Herzen, das zu schwach pumpt, und manchmal ist es genau das. Die häufigere Form ist etwas anderes: ein Herz, das kräftig auswirft, sich aber nicht mehr richtig entspannen und füllen kann. Diese Form entsteht oft nicht im Herzen, sondern im Stoffwechsel des ganzen Körpers. Und es gibt Verläufe, bei denen der Rhythmus die Ursache ist, und die sich damit umkehren lassen.
Zwei Formen
Zwei Geschichten mit demselben Namen
Herzschwäche zeigt sich als Atemnot, zuerst bei Belastung, später in Ruhe, als Leistungsabfall, als Wasser in den Beinen, als nächtlicher Hustenreiz. Der Unterschied dahinter ist wesentlich, weil er über die Behandlung entscheidet.
Verminderte Pumpkraft
Das Herz wirft zu wenig aus
Häufig steckt eine koronare Herzkrankheit dahinter, oft nach einem Infarkt, mit vernarbtem Muskelgewebe. Daneben gibt es Formen, bei denen sich der Muskel ohne verengte Gefäße erweitert und schwächt, die dilatative Kardiomyopathie. Diese Form lässt sich heute medikamentös gut behandeln, mit Therapien, die das Leben verlängern.
Erhaltene Pumpkraft
Das Herz ist steif geworden
Die Pumpkraft ist normal, die Füllung nicht. Diese Form betrifft mehr als die Hälfte aller Betroffenen, und für sie greifen die klassischen Herzmedikamente nur begrenzt. Gerade hier lohnt der Blick auf die Ursachen umso mehr.
Die steife Form versteht man heute weitgehend neu. Früher galt sie vor allem als Folge des Bluthochdrucks. Heute sieht man sie bei vielen Menschen als das, was sie ist: die Erscheinung eines körperweiten Geschehens am Herzen.
Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes und metabolisches Syndrom erzeugen eine stille, körperweite Entzündung, und diese erreicht über die kleinsten Gefäße auch den Herzmuskel. Der Weg führt wieder über das Endothel: Unter dem Einfluss der Entzündung gibt es weniger Stickstoffmonoxid ab, und dieses Signal ist es, das dem Herzmuskel sagt, geschmeidig zu bleiben. Fehlt es, versteift das Gewebe.
Weiterlesen
Paulus WJ, Tschöpe C. J Am Coll Cardiol. 2013;62(4):263–271 · Borlaug BA et al. J Am Coll Cardiol. 2023;81(18):1810–1834
So fügt sich ein vertrautes Bild zusammen. Dieselben Faktoren, die den Blutdruck treiben, die Gefäße verkalken und den Stoffwechsel stören, finden sich hier wieder: einmal lassen sie das Herz steif werden, einmal schwächen sie seinen Muskel.
Die Herzschwäche ist in diesem Sinn oft weniger eine eigene Herzkrankheit als der Punkt, an dem ein belasteter Körper am Herzen sichtbar wird. Mehr zum Stoffwechsel
Was dazugehört
Der Rhythmus ist die eine Hälfte
Das hier ist die andere, und sie wird mitbehandelt.
Die Treiber behandeln
Die ganze Landkarte: was den Rhythmus von außen mitbestimmt.
Schlaf
Apnoe, Tiefe, Dauer. Der am besten belegte Treiber von allen.
Stoffwechsel
Insulin lange vor dem ersten erhöhten Blutzucker.
Hormone
Schilddrüse, und warum ein einzelnes TSH nicht genügt.
Mikronährstoffe
Magnesium, Kalium, Eisen, Vitamin D, Omega-3.
Stille Entzündung
Werte im Normbereich, die für den Vorhof zu hoch sind.
Darm
Mikrobiom und Vagusnerv, und was davon belegt ist.
Mitochondrien
Die Energie, mit der die Ionenpumpen arbeiten.
Die umkehrbaren Formen
Wenn der Rhythmus die Ursache ist
Dieser Abschnitt ist der Grund, warum Herzschwäche in eine rhythmologische Praxis gehört. Es gibt Formen, bei denen sich der Herzmuskel wieder erholt, sobald die Ursache wegfällt. Sie zu erkennen ist eine der lohnendsten Aufgaben in diesem Feld.
Der dauerhaft zu schnelle Rhythmus
Ein Herz, das über Wochen und Monate zu schnell schlägt, erschöpft seinen Muskel. Bei Vorhofflimmern mit dauerhaft hoher Frequenz kann so eine Pumpschwäche entstehen, die nach dem Befund kaum von einer schweren Herzmuskelerkrankung zu unterscheiden ist.
Der Unterschied zeigt sich erst, wenn die Frequenz in den Griff kommt, denn dann erholt sich die Pumpkraft in vielen Fällen wieder.
Ausführlich
Deshalb ist bei einer neu festgestellten Pumpschwäche mit Vorhofflimmern die Frage nach der Frequenzkontrolle und nach dem Rhythmus keine Nebenfrage. Sie kann den ganzen Verlauf verändern. Zum Vorhofflimmern
Sehr häufige Extraschläge aus der Kammer
Wenn ein großer Anteil aller Schläge des Tages aus einer vorzeitig feuernden Stelle der Kammer kommt, kann die Pumpkraft darunter nachlassen.
Auch diese Form ist umkehrbar: Fällt die Ursache weg, etwa nach einer erfolgreichen Ablation des Ursprungsorts, erholt sich die Funktion häufig wieder. Deshalb gehört bei jeder unerklärten Pumpschwäche ein Langzeit-EKG mit Angabe der Last in Prozent dazu.
Die Zahlen dazu und was die Last bedeutet, stehen auf einer eigenen Seite. Zur Last
Die anderen behebbaren Ursachen
Wo eine schwache Pumpfunktion ohne verengte Gefäße vorliegt, lohnt die gezielte Suche besonders. Ein zu hoher Alkoholkonsum, eine überstandene Herzmuskelentzündung, eine Schilddrüsenstörung, ein Eisenmangel auch ohne Blutarmut, eine Schlafapnoe: Jede davon kann den Muskel schwächen, und jede davon eröffnet die Chance gegenzusteuern.
Ausführlich
Eisenmangel verdient eine eigene Erwähnung, weil er bei Herzschwäche häufig ist, die Belastbarkeit deutlich mitbestimmt und ohne gezielte Messung nicht auffällt. Wie das gemessen wird
Coenzym Q10 und die Statinfrage
Der Herzmuskel schlägt ohne Pause und ist damit das energiehungrigste Organ des Körpers. Im geschwächten Herzmuskel ist Coenzym Q10, das in den Mitochondrien die Energiegewinnung antreibt, häufig vermindert. Statine hemmen denselben Stoffwechselweg, über den der Körper Q10 herstellt, und senken seinen Spiegel messbar.
Ausführlich und Quellen
Was daraus folgt, ist offen. Eine randomisierte Studie deutet einen Nutzen einer Q10-Ergänzung bei Herzschwäche an, die Datenlage insgesamt ist nicht eindeutig, und die Leitlinien führen Q10 nicht als Standardtherapie. Deshalb steht es hier auf dieser Stufe und nicht höher.
Mortensen SA et al. JACC Heart Fail. 2014;2(6):641–649 (Q-SYMBIO) · Sharma A et al. Circ Heart Fail. 2016;9(4):e002639
Die Einordnung ist wichtiger als die Frage selbst: Statine bleiben wirksam und oft unverzichtbar, und niemand sollte sie eigenmächtig absetzen. Der Q10-Gedanke ist kein Gegenargument, sondern eine Frage, die sich begleitend stellen lässt.
Die Behandlung
Die Grundlage, und was daneben zählt
Bei verminderter Pumpkraft stehen die leitliniengerechten Medikamente im Vordergrund. Sie verbessern den Verlauf nachweislich, sie sind die Grundlage, und sie werden hier nicht relativiert.
Wichtig ist, dass sie vollständig und in ausreichender Dosis gegeben werden, denn daran hapert es im Alltag häufiger als am Wissen darüber. Bei erhaltener Pumpfunktion gibt es heute eine Medikamentengruppe mit belegtem Nutzen, und die konsequente Behandlung der Begleiterkrankungen ist hier zentral.
Bei der steifen Form ist die Arbeit an den Ursachen kein Beiwerk, sondern oft der wirksamste verfügbare Hebel, weil diese Form so eng mit dem Stoffwechsel verwoben ist. Gesichert ist, dass Gewichtsabnahme und körperliche Aktivität hier Beschwerden und Belastbarkeit verbessern können. Was darüber hinaus sinnvoll ist, ergibt sich aus den Befunden.
Was diese Praxis bei Herzschwäche nicht leistet
Es gibt hier keine Defibrillator- oder CRT-Versorgung und keine Geräteabfrage, kein Kardio-MRT, keine Herzkatheteruntersuchung und keine Betreuung bei akuter Verschlechterung. Wer dekompensiert, gehört ins Krankenhaus und nicht in eine Privatpraxis, und das sagen wir klar statt es zu umschreiben.
Ausführlich
Was hierher gehört: die Einordnung der Form, die Suche nach den umkehrbaren Ursachen, die Behandlung der Treiber und die Führung des Rhythmus. Bei einer schweren Herzschwäche mit Vorhofflimmern ist das eine Kombination, die in einer Hand einen Unterschied macht. Wird ein Gerät gebraucht, stellen wir die Indikation und bahnen den Weg in enger Zusammenarbeit mit einem Zentrum; die Kontrolle bleibt dort, die Behandlung der Treiber wieder hier.
Fragen
Fragen zur Herzschwäche
Was sind die Anzeichen einer Herzschwäche?
Typisch sind Atemnot, zuerst bei Belastung und später in Ruhe, nachlassende Leistungsfähigkeit, Wasser in den Beinen und nächtlicher Hustenreiz. Weil sich diese Zeichen langsam entwickeln, werden sie anfangs oft dem Alter zugeschrieben.
Welche Formen der Herzschwäche gibt es?
Die Form mit verminderter Pumpkraft, häufig nach Durchblutungsstörungen oder als dilatative Kardiomyopathie, und die häufigere Form mit erhaltener Pumpkraft, bei der das Herz steif geworden ist. Beide werden unterschiedlich behandelt, und die steife Form ist eng mit dem Stoffwechsel verwoben.
Kann eine Herzschwäche wieder besser werden?
Ja, bei den umkehrbaren Formen. Ein dauerhaft zu schneller Rhythmus, sehr häufige Extraschläge aus der Kammer, eine Schilddrüsenstörung, Alkohol oder ein Eisenmangel können den Muskel schwächen, und wenn die Ursache wegfällt, erholt sich die Pumpkraft in vielen Fällen. Diese Ursachen zu suchen ist deshalb keine Formsache.
Hängt Herzschwäche mit Vorhofflimmern zusammen?
In beide Richtungen. Eine dauerhaft hohe Frequenz bei Vorhofflimmern kann die Pumpkraft schwächen, und ein geschwächtes Herz begünstigt umgekehrt das Flimmern. Deshalb gehören bei dieser Kombination beide Fragen in ein Gespräch und nicht in zwei.
Soll ich Coenzym Q10 nehmen, wenn ich ein Statin einnehme?
Das ist offen. Statine senken den Q10-Spiegel messbar, ob eine Ergänzung bei Herzschwäche nützt, ist nicht eindeutig belegt, und die Leitlinien führen sie nicht als Standard. Entscheidend ist der andere Teil: Statine sind wirksam und oft unverzichtbar und sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person
Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.
Sie sind damit nicht allein
Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.
Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.
Termin
Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.
Termin vereinbarenNichts mitbringen
Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.
Was Ihnen das erspart
Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.
Was es kostet
Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.
Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.