Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Mikronährstoffe

Kein Präparat ohne Befund. Erst messen, dann ergänzen, dann nachmessen.

Gerät das Gleichgewicht aus Magnesium, Kalium und Eisen durcheinander, wird die Herzmuskelzelle elektrisch instabil. Deshalb stehen Mineralien bei Rhythmusstörungen hier nicht am Rand. Was sie nicht sind: ein Ersatz für die Behandlung, und kein Präparat nach Schema.

Zielbereich

Der Unterschied, den kaum jemand erklärt

Auf einem Laborbefund steht neben jedem Wert ein Bereich. Dieser Bereich beschreibt, was bei den meisten Menschen gemessen wird, die in einem Labor untersucht werden. Er beschreibt nicht, bei welchem Wert ein Organ am besten arbeitet. Das sind zwei verschiedene Fragen, und sie haben verschiedene Antworten.

Beim Ferritin, dem Eisenspeicher, ist der Unterschied am greifbarsten. Ein Wert von 40 liegt in fast jedem Labor im Bereich und gilt als unauffällig. Bei einem Menschen mit Herzschwäche ist derselbe Wert ein behandlungsbedürftiger Eisenmangel, und zwar auch ohne Blutarmut. Wer nur auf den Bereich sieht, übersieht ihn.

Umgekehrt gilt genauso: Ein Wert unterhalb des Bereichs ist nicht automatisch ein Mangel, der behandelt gehört, und ein niedriger Wert ohne Beschwerden und ohne Konsequenz ist kein Grund für ein Präparat. Die Frage lautet nie, ob eine Zahl im Bereich liegt, sondern ob sie bei Ihnen etwas erklärt und ob sich durch ihre Korrektur etwas ändert.

Kurz gesagt Deshalb wird hier nicht gegen den Laborbereich argumentiert, sondern neben ihm. Sie bekommen zu jedem Wert gesagt, wo er liegt, wo er bei Ihnen liegen sollte, und was passiert, wenn wir nichts tun.

Die Elektrolyte

Was die Herzmuskelzelle erregbar macht

Hier liegt der direkteste Zusammenhang zwischen einem Laborwert und einem Herzschlag, den es in der Medizin gibt.

Magnesium

Magnesium ist an Hunderten enzymatischen Vorgängen beteiligt und stabilisiert unmittelbar die elektrische Erregbarkeit der Herzmuskelzelle. Es wirkt dabei wie ein natürlicher Gegenspieler des Kalziums an der Zellmembran: Wo Kalzium erregt, dämpft Magnesium. Fehlt es, feuert die Zelle leichter vorzeitig, und genau daraus entstehen Extraschläge.

Ausführlich und Quellen

In der Framingham-Untersuchung entwickelten Menschen mit niedrigem Magnesium im Blut über die Jahre häufiger Vorhofflimmern als Menschen mit höheren Werten. Das ist eine Beobachtung und kein Beweis, dass Ergänzen davor schützt. Es ist aber ein guter Grund, den Wert überhaupt zu kennen.

Gemessen wird nicht nur im Serum, denn dort liegt nur ein kleiner Teil des Körperbestands und der Wert bleibt lange stabil, während die Speicher schon leer sind. Aussagekräftiger ist die Messung im Vollblut, und bei grenzwertigen Befunden die Beobachtung, wie der Wert auf eine Gabe reagiert. Ergänzt wird in der Regel über den Mund, in einer Form, die aufgenommen wird, und über Wochen statt Tage.

Khan AM et al. Circulation. 2013;127(1):33–38

Kalium

Kalium bestimmt das Ruhepotenzial der Herzmuskelzelle, also die Spannung, aus der heraus jeder Schlag entsteht. Sowohl ein zu niedriger als auch ein zu hoher Wert macht den Rhythmus anfällig, und beides kann gefährlich werden. Das ist einer der wenigen Laborwerte, bei denen der Zusammenhang mit dem Herzschlag unmittelbar und unbestritten ist.

Ausführlich

Wichtig im Alltag: Entwässerungsmittel senken Kalium, manche Blutdruckmittel heben es. Wer beides nimmt, bewegt sich zwischen zwei Kräften. Bei jeder Rhythmusstörung und bei jeder Änderung dieser Medikamente gehört der Wert deshalb kontrolliert, und zwar zusammen mit der Nierenfunktion.

Leistung und Energie

Wovon das Herz lebt

Eisen

Eisen ist nicht nur für den roten Blutfarbstoff da. Es sitzt in den Enzymen, mit denen die Zelle Energie gewinnt, und der Herzmuskel gehört zu den Geweben, die das am stärksten spüren. Deshalb gibt es den Eisenmangel des Herzens auch ohne Blutarmut, und deshalb bleibt er so oft unentdeckt: Das Blutbild ist unauffällig, und niemand misst weiter.

Ausführlich und Quellen

Bei Herzschwäche ist das inzwischen gut belegt. In randomisierten Studien verbesserte der gezielte Ausgleich eines Eisenmangels über die Vene Beschwerden und Belastbarkeit, und in einer Untersuchung nach stationärer Behandlung sanken erneute Krankenhausaufenthalte. Dafür braucht es nicht erst eine Anämie, sondern den nachgewiesenen Mangel.

Gemessen werden Ferritin und die Transferrinsättigung zusammen, denn Ferritin allein täuscht bei jeder Entzündung nach oben. Bei Herzschwäche gelten deutlich höhere Zielwerte als der untere Laborbereich. Ergänzt wird zuerst über den Mund; wo das nicht ausreicht oder nicht vertragen wird, über die Vene, als Antwort auf einen Befund und nicht als Kur.

Anker SD et al. N Engl J Med. 2009;361(25):2436–2448 (FAIR-HF) · Ponikowski P et al. Lancet. 2020;396(10266):1895–1904 (AFFIRM-AHF)

Coenzym Q10

Der Herzmuskel schlägt ohne Pause und ist damit das energiehungrigste Organ des Körpers. Coenzym Q10 treibt in den Mitochondrien die Energiegewinnung an, und bei Herzschwäche sind seine Spiegel im Herzmuskel oft erniedrigt. Statine hemmen denselben Stoffwechselweg, über den der Körper Q10 herstellt, und senken seinen Spiegel messbar.

Ausführlich und Quellen

Eine randomisierte Studie deutet einen Nutzen bei Herzschwäche an, die Datenlage insgesamt ist nicht eindeutig, und die Leitlinien führen Q10 nicht als Standardtherapie. Deshalb steht es hier auf dieser Stufe und nicht höher, und deshalb ist es eine Frage, die sich begleitend stellt, und kein Ersatz für etwas.

Statine bleiben wirksam und oft unverzichtbar. Niemand sollte sie eigenmächtig absetzen. Der Q10-Gedanke ist kein Gegenargument, sondern der zweite Teil desselben Gedankens: das Medikament geben und bedenken, was es im Stoffwechsel nach sich zieht. Mehr zur Energie des Herzmuskels

Mortensen SA et al. JACC Heart Fail. 2014;2(6):641–649 (Q-SYMBIO) · Sharma A et al. Circ Heart Fail. 2016;9(4):e002639

Fette und Vitamine

Hier wird es interessant, weil die Studien uneinig sind

Omega-3 und Vitamin D sind die beiden meistverkauften Präparate in diesem Feld. Bei beiden lohnt es sich, genauer hinzusehen als die Werbung, und ehrlicher als der Reflex, sie pauschal abzulehnen.

Der Omega-3-Index, gemessen statt geschätzt

Der Omega-3-Index gibt an, welchen Anteil EPA und DHA an den Fettsäuren der roten Blutkörperchen ausmachen. Er bildet die Versorgung über Monate ab, nicht die letzte Mahlzeit, und er ist damit einer der wenigen Ernährungswerte, die überhaupt etwas taugen. Ein niedriger Index war in Untersuchungen mit einem höheren Risiko für den plötzlichen Herztod verbunden.

Ausführlich und Quellen

Der Wert ist deshalb sinnvoll, weil er die Frage beantwortet, die man sonst raten muss: ob überhaupt ein Defizit besteht. Wer zweimal die Woche fetten Seefisch isst, braucht in der Regel kein Präparat, und das sagen wir dann auch.

Harris WS. Curr Cardiol Rep. 2010;12(6):503–508 · Aarsetoey H et al. Lipids. 2011;46(2):151–161

Omega-3 und Vitamin D, um Vorhofflimmern zu verhindern

Das ist die wichtigste Zahl auf dieser Seite, und sie geht gegen den Strich. In einer großen randomisierten Studie an über 25.000 Menschen verhinderte weder Omega-3 noch Vitamin D das Auftreten von Vorhofflimmern. Und in einer Zusammenschau randomisierter Studien war hochdosiertes Omega-3 mit einem höheren Risiko für Vorhofflimmern verbunden.

Ausführlich und Quellen

Deshalb wird hier kein hochdosiertes Omega-3 zur Vorbeugung von Vorhofflimmern empfohlen, und Vitamin D ebenso wenig. Wer Vorhofflimmern hat und Omega-3 in hoher Dosis nimmt, sollte das wissen und mit uns besprechen.

Das ist kein Argument gegen Omega-3 überhaupt. Bei nachgewiesenem Defizit, bei erhöhten Triglyzeriden und in der Ernährung bleibt es sinnvoll. Es ist ein Argument gegen die Dosis ohne Grund, und ein gutes Beispiel dafür, warum diese Website zwischen begründet und gesichert unterscheidet.

Albert CM et al. JAMA. 2021;325(11):1061–1073 (VITAL Rhythm) · HR 1,25; 95 % KI 1,07–1,46 · Gencer B et al. Circulation. 2021;144(25):1981–1990

Vitamin D, Homocystein und die B-Vitamine

Vitamin D wird gemessen, weil ein ausgeprägter Mangel in unseren Breiten häufig ist und weil er Muskelkraft, Knochen und Immunlage betrifft. Ein erhöhtes Homocystein weist auf einen Mangel an Folsäure, Vitamin B12 oder B6 hin und lässt sich damit auch senken.

Dass die Senkung des Homocysteins allein Herzereignisse verhindert, ist in Studien nicht überzeugend gezeigt worden. Der Wert bleibt trotzdem nützlich, weil er einen behebbaren Mangel sichtbar macht.

Ausführlich

So wird hier damit umgegangen: gemessen, wo es eine Konsequenz hat, ausgeglichen, was fehlt, und nicht behauptet, dass ein Präparat mehr kann als es kann.

Die Regeln

Wonach hier entschieden wird

Kein Präparat vor dem Befund

Ergänzt wird, was nachweislich fehlt, in der Dosis, die den Befund korrigiert. Nicht nach Schema, nicht nach Fragebogen, nicht vorsorglich. Das ist keine Zurückhaltung aus Prinzip, sondern der einzige Weg, hinterher zu wissen, ob es etwas gebracht hat.

Nach acht bis zwölf Wochen

Ein Wert, der sich nicht bewegt, ändert den Plan. Entweder stimmt die Dosis nicht, oder die Aufnahme, oder die Annahme. Ohne Kontrolle wird aus einer Behandlung eine Gewohnheit.

Die Infusion ist die Ausnahme

Sie kommt in Frage, wenn ein Mangel nachgewiesen ist und der Weg über den Darm nicht ausreicht oder nicht vertragen wird. Als Antwort auf einen Befund, nicht als Kur und nicht als Abonnement.

Und der Satz, der hier am meisten zählt

Wir verkaufen keine Präparate. Keine Empfehlung auf dieser Seite hängt an einem Verkauf, und das ist der Grund, warum Sie den übrigen Empfehlungen glauben können. Wo ein Präparat sinnvoll ist, sagen wir, welcher Stoff in welcher Dosis, und Sie kaufen es, wo Sie möchten.

Ausführlich

Ebenso wenig wird hier eine Gerinnungshemmung zugunsten eines Nahrungsergänzungsmittels abgesetzt. Diese Frage kommt regelmäßig, und die Antwort bleibt dieselbe.

Fragen

Fragen zu Mikronährstoffen

Hilft Magnesium gegen Herzstolpern?

Magnesium stabilisiert die Erregbarkeit der Herzmuskelzelle, und ein Mangel kann den Rhythmus anfälliger machen. Daraus folgt, dass ein nachgewiesener Mangel ausgeglichen gehört. Es folgt nicht, dass Magnesium ohne Mangel die Extraschläge senkt, und das wird hier auch nicht versprochen. Sinnvoll ist deshalb: messen, und zwar im Vollblut, dann entscheiden.

Mein Laborwert ist im Normbereich. Warum wird trotzdem ergänzt?

Weil der Laborbereich beschreibt, was bei den meisten gemessen wird, nicht, bei welchem Wert ein Organ am besten arbeitet. Am deutlichsten ist das beim Eisen: Ein Ferritin von 40 gilt als unauffällig und ist bei Herzschwäche ein behandlungsbedürftiger Mangel. Umgekehrt gilt genauso, dass ein Wert knapp unter dem Bereich ohne Konsequenz kein Präparat rechtfertigt.

Soll ich Omega-3 nehmen?

Das hängt vom gemessenen Omega-3-Index ab, und bei Vorhofflimmern von einer zusätzlichen Überlegung: In einer großen randomisierten Studie verhinderte Omega-3 kein Vorhofflimmern, und in hoher Dosis war es in einer Zusammenschau mit einem höheren Risiko dafür verbunden. Deshalb wird es hier nicht pauschal empfohlen. Bei nachgewiesenem Defizit und bei erhöhten Triglyzeriden bleibt es sinnvoll.

Bekomme ich hier Infusionen?

Nur bei nachgewiesenem Mangel, wenn der Weg über den Darm nicht ausreicht oder nicht vertragen wird. Am häufigsten betrifft das Eisen. Infusionen als Kur, als Abonnement oder ohne vorherige Messung gibt es hier nicht.

Verkaufen Sie die Präparate selbst?

Nein. Wo ein Präparat sinnvoll ist, sagen wir Ihnen, welcher Stoff in welcher Dosis und worauf Sie beim Kauf achten sollten. Gekauft wird, wo Sie möchten. Keine Empfehlung hier hängt an einem Verkauf.

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

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Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

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Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

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