Hormone und Rhythmus
„Die Schilddrüse ist in Ordnung.“ Das hängt davon ab, was gemessen wurde.
Die Schilddrüse ist der bekannteste hormonelle Auslöser von Rhythmusstörungen und wird trotzdem regelmäßig zu knapp untersucht. Entscheidend ist nicht, ob ein Wert im Bereich liegt, sondern welcher überhaupt gemessen wurde. Bei den übrigen Hormonen ist die Datenlage dünner, und das sagen wir dazu.
Die Schilddrüse
Der Wert, der fehlt, ist meist der entscheidende
Schilddrüsenhormone wirken unmittelbar auf die Herzmuskelzelle. Sie erhöhen die Zahl der Rezeptoren, über die das Herz auf Stresshormone anspricht, sie beschleunigen die Erregungsleitung und sie verkürzen die Erholungszeit der Zelle nach jedem Schlag. Eine Überfunktion macht den Vorhof damit auf mehreren Wegen gleichzeitig anfälliger. Das ist der am besten verstandene hormonelle Mechanismus in diesem ganzen Feld.
Entscheidend ist dabei die subklinische Überfunktion: Der Steuerwert TSH ist erniedrigt, die eigentlichen Hormone liegen noch im Bereich, und Beschwerden fehlen oft ganz.
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In einer Zusammenschau mehrerer großer Untersuchungen war dieser Zustand mit einer höheren Sterblichkeit und mit mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Für den Rhythmus ist er ein bekannter Risikofaktor, und er wird übersehen, wenn nur einmal ein Wert bestimmt und als grenzwertig abgehakt wird.
Collet TH et al. Arch Intern Med. 2012;172(10):799–809
Deshalb wird hier nicht nur der Steuerwert gemessen, sondern die freien Hormone dazu und, bei auffälligem Befund, die Antikörper. Erst diese drei zusammen sagen, ob eine Überfunktion vorliegt, ob sie autoimmun bedingt ist und ob sie behandelt gehört. Behandelt wird in Abstimmung mit der Endokrinologie, nicht im Alleingang.
Amiodaron
Der Fall, in dem das Medikament die Schilddrüse verändert
Amiodaron ist eines der wirksamsten Medikamente gegen Rhythmusstörungen und enthält sehr viel Jod. Es kann deshalb sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen, manchmal erst nach Monaten, und die Überfunktion ist dabei die schwierigere von beiden: Sie kann genau die Rhythmusstörung verstärken, gegen die das Medikament gegeben wurde.
Wer Amiodaron nimmt, braucht deshalb eine geplante Kontrolle der Schilddrüsenwerte, nicht eine bei Gelegenheit. Dasselbe gilt für Leber und Lunge. Das ist kein Argument gegen das Medikament, sondern die Bedingung, unter der es sicher eingesetzt wird, und es ist einer der Punkte, an denen eine Praxis mit Rhythmusschwerpunkt einen Unterschied macht.
Wenn Sie Amiodaron einnehmen und Ihnen niemand gesagt hat, in welchem Abstand welche Werte kontrolliert werden, ist das ein guter Grund für einen Termin. Zum Vorhofflimmern
Die übrigen
Wo die Datenlage dünner wird, und wo sie aufhört
Hier ist Zurückhaltung keine Ausweichbewegung, sondern der ehrliche Befund. Der Rest dieses Felds ist deutlich schlechter untersucht als die Schilddrüse.
Die Stresshormone und das vegetative Nervensystem
Dauerhafte Anspannung hält den sympathischen Teil des Nervensystems hoch, und das verschiebt das elektrische Gleichgewicht der Herzmuskelzelle. Diesen Weg gibt es, er ist plausibel und er passt zu dem, was Betroffene berichten. Was es nicht gibt, ist ein Laborwert, der ihn zuverlässig abbildet.
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Deshalb wird hier nicht der Cortisolspiegel gemessen, sondern die Herzfrequenzvariabilität über Tage angesehen, auch aus Ihren eigenen Aufzeichnungen, und es wird nach dem gefragt, was den Stress verursacht. Das ist weniger spektakulär und näher an dem, was sich ändern lässt.
Wechseljahre und Testosteron
Dass sich hormonelle Umstellungen auf Herz und Kreislauf auswirken, ist unbestritten. Für den Herzrhythmus im Besonderen ist die Datenlage dünn, und für die Frage, ob eine Hormonersatzbehandlung Rhythmusstörungen verhindert oder begünstigt, gibt es keine belastbare Antwort. Wer eine solche Behandlung erwägt oder bereits erhält, bekommt hier die kardiologische Seite der Abwägung und keine Empfehlung dafür oder dagegen.
Ausführlich
Die Behandlung selbst gehört in die Gynäkologie beziehungsweise Endokrinologie. Was hierher gehört: Palpitationen in den Wechseljahren sind häufig und werden oft vorschnell dem Hormonhaushalt zugeschrieben. Sie gehören trotzdem einmal eingeordnet, weil sich hinter ihnen dasselbe verbergen kann wie sonst auch. Zur Einordnung
Hormonprofile aus Speichel und Nebennierenschwäche
Hormonbestimmungen aus dem Speichel zur Steuerung einer Behandlung und die Diagnose einer Nebennierenschwäche jenseits der anerkannten Krankheitsbilder werden hier nicht angeboten. Für beides fehlt die Grundlage, die zeigt, dass das Ergebnis eine Entscheidung verbessert.
Ausführlich
Eine echte Nebennierenunterfunktion ist eine ernste und gut definierte Erkrankung mit klarer Diagnostik. Sie gehört erkannt. Was hier gemeint ist, ist der Begriff, der außerhalb davon verwendet wird.
Fragen
Fragen zu Hormonen und Rhythmus
Mein TSH ist normal. Kann die Schilddrüse trotzdem schuld sein?
Ein einzelnes TSH im Bereich schließt es nicht sicher aus. Entscheidend ist die Kombination aus Steuerwert und freien Hormonen, bei auffälligem Befund ergänzt um die Antikörper. Besonders wichtig ist die subklinische Überfunktion: erniedrigtes TSH bei noch normalen Hormonen, oft ohne Beschwerden, und trotzdem ein bekannter Risikofaktor.
Ich nehme Amiodaron. Worauf muss ich achten?
Auf geplante Kontrollen von Schilddrüse, Leber und Lunge, nicht auf Kontrollen bei Gelegenheit. Amiodaron enthält viel Jod und kann sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion auslösen, manchmal erst nach Monaten. Die Überfunktion kann dabei genau die Rhythmusstörung verstärken, gegen die das Medikament gegeben wurde.
Ich habe Herzstolpern in den Wechseljahren. Kommt das von den Hormonen?
Das ist häufig und wird oft vorschnell so erklärt. Richtig ist: Palpitationen treten in dieser Zeit gehäuft auf. Ebenso richtig ist, dass sich dahinter dasselbe verbergen kann wie sonst auch. Deshalb gehört es einmal eingeordnet, statt es zuzuordnen.
Messen Sie Hormone im Speichel?
Nein. Für Hormonbestimmungen aus dem Speichel zur Steuerung einer Behandlung fehlt die Grundlage, die zeigt, dass das Ergebnis eine Entscheidung verbessert. Das gilt auch, wenn Sie danach fragen.
Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person
Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.
Sie sind damit nicht allein
Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.
Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.
Termin
Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.
Termin vereinbarenNichts mitbringen
Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.
Was Ihnen das erspart
Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.
Was es kostet
Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.
Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.