Für zuweisende Praxen
UpstreamKardiologie

Rhythmusstörungen aus der Kammer

Meistens harmlos. Und trotzdem lohnt es sich zu zählen.

Im Langzeit-EKG standen ein paar tausend Extraschläge, und seitdem lesen Sie nachts im Internet. Die entlastende Antwort vorweg: Bei einem gesunden Herzen sind sie in aller Regel ungefährlich. Zwei Fragen entscheiden trotzdem darüber, ob es dabei bleibt, und beide lassen sich beantworten.

Bei anhaltendem Herzrasen mit Schwindel, Luftnot oder einer Ohnmacht gilt der Notruf 112.

Ein breiter Schlag ohne vorangehende P-Welle, danach eine Pause Ventrikuläre Extrasystole

Das Wichtigste

Drei Fragen, gleich vorweg

Mehr dazu steht weiter unten. Diese drei Antworten sollten Sie nicht suchen müssen.

Ist das gefährlich?

Das entscheidet nicht der Extraschlag, sondern das Herz darunter. Bei normaler Pumpfunktion, normalen Klappen und unauffälligem EKG sind sie in aller Regel nicht gefährlich. Deshalb steht der Ultraschall am Anfang und nicht am Ende.

Wie viele sind zu viele?

Fragen Sie nach dem Anteil in Prozent, nicht nach der Stückzahl. Das Herz schlägt am Tag rund 90.000 Mal. Bei wenigen Prozent geht es um Ihre Beschwerden, im zweistelligen Bereich auch um die Pumpkraft. Zwei verschiedene Gespräche.

Muss ich Medikamente nehmen?

Nicht zwangsläufig. Bei gesundem Herzen, niedriger Last und erträglichen Beschwerden ist Abwarten die beste Behandlung, vorausgesetzt, die Einordnung hat wirklich stattgefunden. Wer keine Tabletten möchte, kann das sagen.

Das Bild im EKG

Breit, zu früh, und danach eine Pause

Ein Extraschlag aus der Kammer nimmt den Umweg durch den Muskel statt durch das Leitungssystem. Deshalb ist er breit, deshalb kommt er zu früh, und deshalb folgt ihm eine vollständige Pause, bevor der Grundrhythmus unbeirrt weiterläuft.

Die Gefahrenfrage

Worauf es ankommt, ist nicht der Extraschlag, sondern das Herz darunter

Ein Extraschlag aus der Kammer entsteht, wenn eine Stelle im Herzmuskel vorzeitig auf eigene Rechnung feuert, bevor der reguläre Impuls von oben ankommt.

Weil dieser Schlag auf einem anderen Weg durch die Kammer läuft, sieht er im EKG breit und anders aus. Gespürt wird meist nicht der Extraschlag selbst, sondern die Pause danach und der darauffolgende kräftige Schlag.

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Für die Einschätzung zählt vor allem eine Unterscheidung. Treten diese Schläge bei einem strukturell gesunden Herzen auf, mit normaler Pumpfunktion, normalen Klappen und einem unauffälligen EKG, dann sind sie in aller Regel nicht gefährlich.

Treten sie bei einem Herzen auf, das eine Narbe, eine Schwäche oder eine Muskelerkrankung hat, dann sind sie ein Warnzeichen und werden anders behandelt. Genau deshalb steht die Ultraschalluntersuchung des Herzens am Anfang und nicht am Ende.

Beruhigend

Was für gutartig spricht

Ein normaler Ultraschall und ein normales EKG. Extraschläge, die alle gleich aussehen und damit aus einer einzigen Stelle kommen. Schläge, die unter Belastung weniger werden statt mehr. Keine Ohnmacht in der Vorgeschichte.

Genauer hinsehen

Was eine zügige Abklärung verdient

Eine bekannte Herzerkrankung oder eine schwache Pumpfunktion. Extraschläge, die unterschiedlich aussehen. Läufe von mehreren Schlägen hintereinander. Eine Ohnmacht. Und ein plötzlicher, unerklärter Todesfall in der Familie in jungen Jahren.

Dazu eine Frage, die leicht vergessen wird: eine durchgemachte Herzmuskelentzündung. Sie hinterlässt Narben, und eine Narbe ist ein Ausgangspunkt für Rhythmusstörungen, auch Jahre später.

Die europäische Leitlinie ordnet dieses Feld entlang genau dieser Trennung: Erst wird die Frage nach einer strukturellen Herzerkrankung beantwortet, danach richtet sich alles Weitere.

Zeppenfeld K et al. Eur Heart J. 2022;43(40):3997–4126

Wann nicht auf einen Termin warten

Bei anhaltendem Herzrasen mit Schwindel, Luftnot oder Druck auf der Brust, bei einer Ohnmacht, oder wenn Sie sich mit dem Rhythmus akut bedroht fühlen: Notruf 112. Diese Praxis ist keine Notfallversorgung.

Die Last

Die Zahl, nach der zu selten gefragt wird

Wenn ein Befund sagt, es seien 4.000 Extraschläge gewesen, klingt das viel. Entscheidend ist aber nicht die absolute Zahl, sondern ihr Anteil an allen Schlägen des Tages. Das Herz schlägt in 24 Stunden rund 90.000 Mal.

4.000 Extraschläge sind damit gut vier Prozent. Diese Umrechnung nimmt fast immer Sorge heraus, und sie ist gleichzeitig der Grund, warum die Zahl überhaupt erhoben wird.

Denn oberhalb eines bestimmten Anteils kann eine sehr hohe Last die Pumpkraft des Herzens schwächen, und zwar nicht weil das Herz krank wäre, sondern weil die vielen unkoordinierten Schläge es mit den Monaten erschöpfen.

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In einer Untersuchung an Menschen, die wegen häufiger Extraschläge vorgestellt wurden, trennte ein Anteil von mehr als 24 Prozent am besten zwischen denen mit und denen ohne eine solche Schwächung. Die niedrigste Last, bei der das überhaupt auftrat, lag bei 10 Prozent. Unterhalb davon war es in dieser Gruppe nicht zu beobachten.

Baman TS et al. Heart Rhythm. 2010;7(7):865–869

Der wichtigste Teil dieses Befundes steht dabei im Wort, das leicht überlesen wird: Diese Form der Herzschwäche ist umkehrbar. Verschwindet die Ursache, erholt sich die Pumpkraft in vielen Fällen wieder. Damit ist die Last nicht nur eine Risikozahl, sondern ein Hebel.

Kurz gesagt Lassen Sie sich Ihre Last in Prozent sagen, nicht in Stück. Bei zwei Prozent geht es um Ihre Beschwerden, bei zwanzig auch um die Pumpkraft. Das sind zwei verschiedene Gespräche.

Der Fahrplan

Was tatsächlich mit Ihnen passiert

Sechs Schritte in drei Phasen. Die Reihenfolge ist hier die halbe Auskunft: erst die Frage nach dem Herzen darunter, dann die Zahl.

Bevor Sie kommen

Zwei Angaben ersparen Ihnen eine ganze Untersuchung, wenn Sie sie schon haben.

  1. Die Last in Prozent, nicht in Stück

    Wenn ein Langzeit-EKG vorliegt, lassen Sie sich den Anteil an allen Schlägen geben; die absolute Zahl allein sagt wenig.

    Was dabei passiert

    Das Herz schlägt in vierundzwanzig Stunden rund 90.000 Mal. Viertausend Extraschläge sind damit gut vier Prozent, und diese Umrechnung nimmt fast immer Sorge heraus.

    Alte EKGs, Langzeit-EKGs und Befunde laden Sie im Bogen hoch, den Sie nach der Terminvereinbarung bekommen.

  2. Aufschreiben, wann Sie es spüren

    In Ruhe oder unter Belastung, am Abend oder am Morgen, nach Alkohol oder nach einer schlechten Nacht.

    Was dabei passiert

    Schläge, die unter Belastung weniger werden, sind anders zu bewerten als solche, die dabei zunehmen. Das lässt sich oft schon aus Ihrer Beobachtung ablesen.

Die Klärung

Erst die Frage nach dem Herzen darunter, dann die Zahl. In dieser Reihenfolge, nie umgekehrt.

  1. Der Ultraschall steht am Anfang

    Dieselben Extraschläge bedeuten bei einem gesunden und bei einem vorgeschädigten Herzen etwas völlig anderes.

    Was dabei passiert

    Pumpfunktion, Klappen, Wanddicken, dazu das EKG. Bei Verdacht auf eine Narbe kommt eine Kernspinuntersuchung dazu, die wir anordnen und die bei einem Kooperationspartner stattfindet.

    Die europäische Leitlinie ordnet dieses Feld entlang genau dieser Trennung.

  2. Zählen, und die Form ansehen

    Das Langzeit-EKG liefert die Last, und die Form der Schläge verrät, ob sie alle aus derselben Stelle kommen.

    Was dabei passiert

    Sehen sie einander gleich, lässt sich der Ursprung im EKG abschätzen und im Eingriff gezielt aufsuchen. Sehen sie unterschiedlich aus, wird zuerst weiter untersucht.

Die Entscheidung

Vier Wege stehen zur Wahl, und der erste ist oft der richtige.

  1. Gemeinsam abwägen, nicht verordnen

    Abwarten, die Bedingungen ändern, Medikamente oder der Eingriff: Was passt, hängt vom Befund und von Ihnen ab.

    Was dabei passiert

    Die vier Wege stehen direkt unter diesem Fahrplan, jeder mit dem, wofür er taugt und wofür nicht. Wer keine Tabletten möchte, kann das sagen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

  2. Der Termin zur Kontrolle

    Auch Abwarten bekommt ein Datum, damit es nicht heißt, aus dem Blick zu geraten.

    Was dabei passiert

    Kontrolliert wird, was sich geändert haben soll: die Last in Prozent, die Pumpkraft, und ob die Beschwerden weniger geworden sind. Gemessen wird dabei mit demselben Verfahren wie beim ersten Mal.

Was möglich ist

Vier Wege, und der erste ist oft der richtige

Nichts tun, aber richtig

Bei einem gesunden Herzen, einer niedrigen Last und erträglichen Beschwerden ist Abwarten die beste Behandlung. Das ist keine Verlegenheitslösung. Es setzt allerdings voraus, dass die Einordnung wirklich stattgefunden hat, denn die Gewissheit ist der wirksame Anteil daran. Wer weiß, dass sein Herz gesund ist und warum, spürt die Extraschläge in vielen Fällen weniger.

Dazu gehört eine Kontrolle nach einem vereinbarten Zeitraum, damit Abwarten nicht heißt, aus dem Blick zu geraten.

Die Bedingungen ändern

Extraschläge sind empfindlich für das Milieu, in dem das Herz arbeitet. Kalium und Magnesium, die Schilddrüse, Schlafmangel, Alkohol, sehr viel Koffein, eine Phase hoher Anspannung, eine Schlafapnoe. Nicht jeder dieser Punkte trifft zu, und keiner davon erklärt alles. Aber wenn einer zutrifft, ist er der einfachste Weg.

Das ist dieselbe Ebene, die auch beim Vorhofflimmern zählt, und sie wird hier genauso gemessen statt vermutet. Wie das abläuft

Medikamente

Ein Betablocker senkt die Zahl der Extraschläge bei manchen Menschen deutlich und dämpft vor allem das Gefühl. Er ist kein starkes Mittel gegen die Schläge selbst, dafür ein sicheres. Andere Rhythmusmedikamente wirken stärker, verlangen aber eine genauere Abwägung und eine Kontrolle. Wer keine Tabletten möchte, kann das sagen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Die Katheterablation des Ursprungsorts

Weil alle gleich aussehenden Extraschläge aus derselben Stelle kommen, lässt sich diese Stelle im Herzen aufsuchen und gezielt behandeln.

In einer elektroanatomischen Karte wird der Ursprung gesucht, bis der Extraschlag von dort exakt so aussieht wie auf Ihrem EKG, und dann behandelt. Das ist der Eingriff mit dem wohl unmittelbarsten Nutzen in diesem Feld, und ich führe ihn selbst durch.

Ausführlich

Sinnvoll ist er bei hoher Last, besonders wenn die Pumpkraft darunter nachgelassen hat, und bei Menschen mit starken Beschwerden, die von Medikamenten nicht ausreichend profitieren oder sie nicht nehmen möchten. Ob er in Ihrem Fall passt, hängt davon ab, wo der Ursprung sitzt, und das lässt sich am EKG bereits abschätzen. Wie der Eingriff abläuft

Wenn Sie es vor allem spüren

Das Gefühl und die Zahl sind zwei Dinge, die oft nicht zusammenpassen. Manche spüren zwanzig Schläge am Tag deutlich, andere zwanzigtausend gar nicht. Beides ist echt, und das Leiden richtet sich nicht nach dem Befund. Wie sich die Wahrnehmung einordnen lässt, steht auf der Seite zum Herzstolpern. Zur Einordnung nach Gefühl und Herkunft →

Fragen

Fragen zu Extraschlägen aus der Kammer

Sind ventrikuläre Extrasystolen gefährlich?

Bei einem strukturell gesunden Herzen sind sie in der Regel ungefährlich, auch wenn sie häufig sind und unangenehm zu spüren. Entscheidend ist die Frage, ob das Herz darunter gesund ist, und die wird mit EKG und Ultraschall geklärt.

Bei einer bekannten Herzerkrankung, bei Läufen von mehreren Schlägen oder nach einer Ohnmacht gilt das nicht, dann gehören sie zügig abgeklärt.

Wie viele Extraschläge am Tag sind zu viele?

Sinnvoll ist die Angabe in Prozent aller Schläge, weil das Herz am Tag rund 90.000 Mal schlägt. Unterhalb von etwa zehn Prozent ist eine Schwächung der Pumpkraft durch die Extraschläge nicht zu erwarten, oberhalb von etwa einem Viertel wird sie deutlich wahrscheinlicher. Unabhängig davon können auch wenige Schläge stark belasten, und das ist Grund genug, etwas zu tun.

Können Extraschläge das Herz schwächen?

Ja, bei einer sehr hohen Last über längere Zeit. Wichtig ist der zweite Teil dieses Befundes: Diese Form der Schwäche ist umkehrbar. Wenn die Ursache wegfällt, etwa nach einer erfolgreichen Ablation, erholt sich die Pumpkraft in vielen Fällen wieder.

Lassen sich Extraschläge aus der Kammer veröden?

Ja. Weil gleich aussehende Extraschläge aus derselben Stelle stammen, lässt sich diese Stelle gezielt aufsuchen und behandeln. Das ist besonders sinnvoll bei hoher Last, bei nachlassender Pumpkraft und bei starken Beschwerden ohne ausreichenden Nutzen von Medikamenten. Diese Eingriffe führe ich selbst durch. Zur Katheterablation

Was ist der Unterschied zu Herzstolpern?

Herzstolpern ist das Gefühl, und es kann von Extraschlägen aus dem Vorhof oder aus der Kammer kommen. Diese Seite behandelt die Schläge aus der Kammer und die Frage nach ihrer Gefährlichkeit und Menge. Wie sich das Gefühl einordnen lässt und welche Herkunft dahintersteckt, steht auf der Seite zum Herzstolpern. Dorthin

Verfasst und fachlich geprüft

Dr. med. Omar Anwar, Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie, Tätigkeitsschwerpunkt invasive Elektrophysiologie. Beratung, Eingriff und Nachsorge aus einer Hand. Kardiologie und Innere Medizin, funktionell und integrativ gedacht: Behandelt wird der Mensch, nicht nur der Befund. Privatpraxis für Kardiologie in Hamburg. Zur Person

Zuletzt geprüft am 13. September 2026. Leitlinien und Studien stehen im Text mit Autor, Zeitschrift, Jahrgang und Seiten, nachlesbar, nicht als „Studien zeigen“.

Sie sind damit nicht allein

Sie werden begleitet, von der ersten Frage bis nach dem Eingriff.

Wer hierherkommt, hat meist viel gelesen und selten jemanden gehabt, der sich die Zeit genommen hat, es zusammenzusetzen. Dafür ist der erste Termin da.

Termin

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.

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Nichts mitbringen

Nach der Terminvereinbarung bekommen Sie einen Link zu einem ausführlichen Anamnesebogen. Dort laden Sie auch hoch, was vorliegt: Arztbriefe, EKGs, Befunde, Laborwerte, die Medikamentenliste. Ein Foto mit dem Telefon genügt.

Was Ihnen das erspart

Ihre Unterlagen sind gelesen, bevor Sie kommen. Die Sprechstunde beginnt deshalb mit Ihren Fragen, nicht mit dem Sortieren von Papier.

Was es kostet

Steht vollständig an einer Stelle, mit Erstattung und Beihilfe: Ablauf und Kosten.

Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Herzrasen, Luftnot, Brustschmerz oder Bewusstlosigkeit, wählen Sie bitte den Notruf 112. Diese Sprechstunde ist keine Notfallversorgung.

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